Berichte

2025-02-02 Portofino Marathon (ITA)

Beachtliches Debut an der Riviera di Levante

(Laufbericht von Werner Kroer)   -->   Bericht findet sich auch HIER 

Eine meiner liebgewonnenen Landstriche im schönen Italien ist die Riviera di Levante im östlichen Teil Liguriens. Insbesondere der Küstenstreifen zwischen Recco und Sestri Levante, noch oberhalb der etwas südlicher gelegenen und überaus bekannten Cinque Terre, zeichnet sich durch wunderschöne Natur sowie natürliche Buchten und saubere Strände aus. Das Herz dieses Gebiets bilden die Halbinsel Portofino mit dem gleichnamigen kleinen und äußerst ansehnlichen Naturhafen, sowie der weitläufige Golfo del Tigullio mit seiner prunkvollen Hafenstadt Santa Margherita Ligure, welche landläufig als die Perle Tigulliens bezeichnet wird. Die weiter angrenzende Stadt Rapallo schließt die Bucht nach Südwesten hin ab. Den ganzen Sommer über sieht man in Portofino, welches nicht einmal 400 ständige Einwohner:innen auf zwei Quadratkilometer zählt, eine beträchtliche  Zahl an exklusiven Jachten vor Anker, während gleichzeitig zahlreiche weitere Tourist:inn:en mittels Fährbooten dem pittoresken Platz auf der Halbinsel einen Besuch abstatten. Seine weltweite Bekanntheit hat Portofino einerseits durch das berühmt gewordene Lied aus den 1950er-Jahren „I found my love in Portofino“ erlangt, als auch durch mehrere Kinofilme und letztlich Kurzfilmserien, welche Portofino als Kulisse in Szene setzen. Will man nach Portofino mit Auto oder Bus gelangen, muss man zuerst von Rapallo (Autobahnabfahrt aus Genua oder La Spezia kommend) nach Santa Margherita fahren. Die Strada Provinciale 227 führt quasi als Einbahn in die kleine Hafenstadt am Südzipfel des Parco Naturale Regionale di Portofino.

Seit Jahren fahren wir zu zweit immer im August – nach den mittlerweile zum Fixpunkt im Laufjahr gewordenen 10 Marathons in 10 Tagen am Lago d’Orta (Novara) – nach Santa Margherita, um hier nach der außerordentlichen Anstrengung am Ortasee einige Zeit zu entspannen und regenerieren. Das Meer und der regionale Naturpark der Portofino Halbinsel mit seinen zahlreichen Trails und Wanderrouten bieten dazu das perfekte Umfeld. In nur wenigen Minuten kann man hier auch den Touristenströmen entgehen und in den mitunter steilen Hügeln des Ligurischen Apennins tief in die mediterrane Vegetation aus Kastanien- und Pinienwäldern als auch Olivenhainen eintauchen. Von Rapallo führt sogar die einzige Seilbahn Liguriens auf den über 600 m hohen Montallegro, der eine atemberaubende Aussicht auf den Golf bietet.

Verständlich daher, dass ich mir keinen besseren Austragungsort als Santa Margherita / Portofino für meinen 111. Marathon in Italien vorstellen hätte können.

Vor dem Marathon

Während ich im Sommer die Anreise aus der Provinz Novara jeweils mit dem Auto vornehme, macht für ein Marathon-Kurzwochenende eine Flugreise mehr Sinn. Am Samstag früh geht`s also von Wien nach Mailand-Malpensa mit dem Flieger, wo gleich problemlos ein Anschluss mit dem Airport-Express Zug zum Hauptbahnhof Milano Centrale möglich ist. Nach kurzer Transferpause nehme ich sodann den Intercity von Mailand nach La Spezia, der bereits nach zwei Stunden und zehn Minuten in Santa Margherita Ligure - Portofino hält.

Bestens vertraut mit den Lokalitäten marschiere ich mit nur einem leichten Rucksack gleich direkt vom Bahnhof zum nur 900 Meter entfernten Palazzetto dello Sport, wo die Startnummernausgabe stattfinden soll. Am Samstagnachmittag ist hier noch auffallend wenig los, vermutlich deshalb, weil die allermeisten italienischen Teilnehmer:innen wohl erst direkt am Sonntag früh anreisen werden. Die Veranstalter macht eine Abholung der Startunterlagen bis knapp vor den jeweiligen Bewerben (Marathon, Staffelmarathon, Family Run) möglich. Hat man einmal das etwas komplizierte Online-Anmeldeprozedere für Italien hinter sich gebracht (die italienische Runcard und ein ärztliches Attest sind erforderlich bei Läufen in Italien), erhält man ein paar Tage vor dem Lauf eine verifizierte Anmeldebestätigung per Email. Durch Vorweisen des darin enthaltenen QR-Codes ist dann die Aushändigung der Startunterlagen nur mehr eine Angelegenheit von einer Minute. Zusätzlich zur Nummer mit Chiptiming gibt es noch ein Startersackerl mit T-Shirt und ein paar Goodies. Da in dem Sinn keine Marathonmesse mit Produktpräsentationen oder dergleichen in der Sporthalle stattfindet, gehe ich ein Stück zurück Richtung Zentrum/Hafen, und dann weiter zum gebuchten Hotel, welches sich an einer leichten Anhöhe befindet. Dort sind zu dieser Jahreszeit nur wenige Gäste anzutreffen und ich bekomme beim Check-in gleich mal ein Upgrade auf ein Zimmer mit Balkon und Meeresblick. Kurz überlege ich, ob ich mal eben gleich ins Meer baden gehen sollte – die Wassertemperatur wird mit 14° C angegeben, was für den gewohnten Winterschwimmer keine allzu große Herausforderung darstellt – hebe mir das aber für den Tag nach den Marathon auf. Das Wetter wird für Sonntag und Montag besonders sonnig und warm vorausgesagt.

Sonntag – Race Day

Der Marathonstart in Santa Margherita ist bereits für 08:30 h anberaumt. Vom Hotel sind es nur ein paar Minuten zu Fuss zur zentral gelegenen Fähren-Anlegestelle und Hauptstrasse vor dem öffentlichen Strand. Der Startbogen ist bereits direkt vor dem Kreisverkehr an der Piazza Vittorio Veneto errichtet und zahlreiche Läufer:innen haben bereits davor Aufstellung genommen während einzelne noch letzte Aufwärmübungen im angrenzenden kleinen Park mit der Christoph Columbus Statue vornehmen. Eine sehr grosse Staffelgruppe mit mindestens 20 - 30 Rollstuhlfahrer:inne:n in Begleitung von jeweils 3 Läufer:inne:n nimmt ebenfalls Aufstellung an der Startlinie. Sie werden als erste eine Minute vorher losstarten und dann in der nächsten Kurve einen Spalier bilden für alle nachkommenden Athlet:inn:en. Am Ende wird sich zeigen, dass das Gros der begleitenden Rollstuhlfahrer bereits kurz nach 5 Stunden im Ziel gewesen sein wird. Was für eine beachtenswerte Leistung der Rollstuhl schiebenden Begleitläufer:innen und ihrer Insassen!

Pünktlich geht es sodann für das „Hauptfeld“ los. Nicht ganz 300 Marathonis und 69 Staffeln mit je vier Läufer:inne:n, also über 560 Laufbegeisterte machen sich auf den Weg. Was für ein fulminanter Start für ein Marathondebut! Diese Anzahl schafft in Österreich gerade mal eine Handvoll etablierter Landeshauptstadtmarathons.
Die Strecke ist als Pendelstrecke konzipiert, wobei in vier, zehn Kilometer langen Runden, zuerst gleich mal auf der Uferstrasse SP227 über Paraggi (winzige Siedlung auf halbem Wege in einer Bucht) nach Portofino gelaufen wird. Dieser Streckenabschnitt zeichnet sich durch seine imposante Naturschönheit aus. Kleine Buchten mit malerisch vorgelagerten, einzelnen Felsen im Meer lassen erahnen, was ich von meinen Sommeraufenthalten hier schon gut kenne: zahlreiche Boote und Jachten, die vor der Küste ankern und beherzte Individualtouristen, die sich an den schmalen Strandstreifen entlang der Halbinsel ein Plätzchen zum Verweilen einrichten, prägen das Bild des ab hier nur dünn besiedelten Gebiets. Jetzt im Winter wirkt das Ganze noch viel frühzeitlicher und die Natur an den steilen Hängen rechts der Uferstrasse kommt merklich stärker zur Wirkung. Persönlich bevorzugen wir jedoch im Sommer meist die verschiedenen Trails und Wanderwege von Santa Margherita nach Portofino bzw. noch weiter bis Punta Chiappa oder gar Camogli, steil oberhalb der Halbinselküste des Naturparks. Da offenbaren sich immer wieder atemberaubende Blicke aufs Meer und die Hügel dieses Landstrichs. Seit vielen Jahren sind die Klippen und Küsten auch als Meeresschutzgebiet Portofino in drei schützenswerte Zonen eingeteilt, wobei die gesamte Südküste der Halbinsel als zweithöchste Schutzkategorie klassifiziert ist (keine Badestrände/-plätze).
Mit solchen Eindrücken kann man die ersten Kilometer des Laufs nur geniessen und schon erreichen wir nach nur fünf Kilometern die Zufahrt zum hinteren Ortsteil von Portofino. Über den kleinen Parkplatz am Strassenende biegen wir scharf links runter in die schmale Fussgängerzone direkt zum Vorplatz des Jachthafens, wo im Sommer die Cafés ihre Tische und Stühle über fast das gesamte Kopfsteinpflaster verteilt aufstellen. Jetzt ist hier die Wende der ersten Schleife durch eine eingerichtete Labestelle markiert.
Die Temperatur war bislang recht angenehme 12°C und daher nehme ich erst mal nur einen Becher isotonisches Getränk mit Wasser. Durch eine winzige Seitengasse laufen wir wieder retour über den Parkplatz auf die SP227 und die gleiche Strecke zurück nach Santa Margherita. Jetzt erlaubt der Blick gegen Nordosten Ausblicke nicht nur auf den gesamten Golf von Tigullio sondern noch weiter entlang der Festlandküste auf die gegenüberliegenden Badeorte Chiavari, Lavagna und bis Sestri Levante. Nach 10 Kilometer und 58 Minuten bin ich wieder bei Start/Ziel in Santa Margherita und die Strecke führt uns nun die SP227 in anderer Richtung weiter nach Rapallo. Hier ist der Straßenverlauf etwas kupiert, aber was leicht aufwärts führt geht auch schnell wieder abwärts. Am Ende werden es an die 380 Höhenmeter sein, die man auf den gesamten 42 Kilometern akkumuliert hat. Bald erreichen wir den nächsten größeren Strand von San Michele die Pagana und nach einem kleinen Hügel und Kurve auch schon Rapallo mit seinen 29.000 Einwohnern und damit größten Badeort an der Riviera di Levante. Hier gilt es zuerst ein paar Schleifen durch die neu erweiterte Marina zu drehen, vorbei am neu errichteten Hafencafé, woher es bereits unwiderstehlich gut nach Kaffee duftet. Danach biegen wir wieder raus auf die Hauptstraße und laufen vorbei an den Hotels und Geschäften zur nächsten Wende vor dem Castello di Rapallo. Bislang wurde dem interessierten Betrachter der Gegend auf jedem gelaufenen Meter ansehnliche und interessante Motive geboten. Jetzt steuern wir wieder retour Richtung unseres „Drehscheiben-Start-/Zielbereichs“ in Santa Margherita. Die Temperatur steigt und die Sonne steht bei Halbzeit bereits schön am Himmel. Es ist ein klarer, sonniger, fast frühlingshaft anmutender Sonntag geworden und ich denke für den Moment, dass Laufen wie hier nicht schöner sein könnte. Nach Rückkehr aus Rapallo lässt uns der Veranstalter vorbei an der Kirche Nostra Signora della Rosa ein paar Gassen durch die Fußgängerzone von Santa Margherita laufen. Dies vervollständigt einerseits die vier 10-KM-Runden auf die Marathondistanz und komplettiert andererseits das umfassende Sightseeing-Potenzial dieses Bewerbs. Die zweite Hälfte des Marathons gestaltet sich durch die neuerliche zweimalige Strecke bis Portofino und retour als durchaus kurzweilig. Die schnellsten Läufer:innen kommen einem bereits auf ihren Weg in die letzte Runde entgegen. Später, als ich mich nach 32 KM und 03h:20‘ auf meine letzten zehn Kilometer begebe, sehe ich selbst nach der letzten Wende in Portofino die Langsameren auf der mir gegenüberliegenden Straßenseite entgegenkommen. So kann ich auch einige gute Lauffreunde vom Club Super Marathon Italia grüßen, welche ich vor allem von der Zehntagesveranstaltung in Orta oder anderen Läufen in Italien persönlich kenne.
Leider kämpfe ich nun auf den letzten fünf Kilometern mit einem hartnäckigen Wadenkrampf im linken Bein, welchen ich mir vor einiger Zeit erstmals „zugelegt“ hatte und der sich nun immer wieder mal meldet. Da scheint es mir nun doch notwendig, dieses Belastungssymptom nächstes genauer untersuchen zu lassen.
Im Moment konzentriere ich mich allerdings auf die finalen Kilometer durch Santa Margherita. Schon winkt uns ein Streckenposten für die letzten paar Hundert Meter runter von der Straße auf die gepflasterte Strandpromenade, welche in einem kleinen S-Bogen auf die Zielgerade genau vor dem öffentlichen Strand von Santa Margherita einschwenkt. Unverzüglich erhalte ich eine kleine aber feine Medaille und genieße die aufkommende Entspannung in der warmen Sonne mit dem blauen Meer vor meinen Füssen.

Fazit

Mit dem Portofino-Marathon in Santa Margherita Ligure ist dem Veranstalter ein prächtiges und sehr erfolgreiches Veranstaltungsdebut gelungen. 569 Teilnehmer:innen (293 Marathon und 276 Staffel) zeugen nicht nur von der Lauffreude der Italiener sondern auch für die Attraktivität dieses Bewerbs in der mondänen Tourismusregion der Riviera di Levante.
Das Startgeld beläuft sich je nach Anmeldezeitpunkt auf € 50 bis € 99 und beinhaltet neben einer netten Medaille auch ein T-Shirt im abgestimmten Design. Die ohnehin prächtige Strecke, ausnahmslos entlang der Küste und Badestrände, garantiert auch durch die geschickte Anordnung von vier Schleifen, dass keinerlei Langeweile aufkommen kann. Außerdem sind sämtliche Streckenteile während des Laufes zur Gänze für den Verkehr gesperrt.
Für die Anreise bietet sich eine kombinierte Flug-/ Bahnreise an, da nach Mailand von Wien aus zumindest zwei Direktflüge täglich verfügbar sind. Bereits in diesem Jahr waren bereits Läufer:innen aus 23 Nationen am Start. Mit solch einer eindrucksvollen Veranstaltungspremiere ist in Zukunft mit noch mehr Zuspruch für den Portofino-Marathon rechnen.

 

Teilnehmer:innen und Siegerzeiten beim 1. Portofino Marathon 2025

Frauen:
1. BERGAGLIO ILARIA, 02:58:31
2. LUCACI ANDREEA, 03:10:28
3. SILVANI ELEHANNA  03:14:56

∑ 65 Finisher ♀  (+3 DNF)

Männer:
1. GUEYDON JULIEN, 02:30:18
2. GHIGLIETTI CRISTIAN, 02:41:17
3. RITY MOHAMED, 02:47:34

∑ 213 Finisher ♂ (+12 DNF)

∑ insgesamt 278 Finisher (+ 15 DNF)

∑ 23 Nationen

Zeitlimit: 6:00 Stunden

Marathonausschreibung:

https://www.portofinomarathon.it/

Resultate:
https://www.icron.it/newgo/#/classifica/20243689

Kontakt/Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

FOTOS:

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2025-01-17 Doha Marathon (QAT)

Fulminant durch die Stadt und entlang der Meeresbucht

(Laufbericht von Werner Kroer)   -   Bericht findet sich auch HIER mit Bildern.

Katar ist ein zentral gelegener Staat an der Ostküste der Arabischen Halbinsel und hat auf dem Lande nur eine Grenze mit Saudi Arabien, wohin der einzige Grenzübergang bei Abu Samra führt, 80 km südlich der katarischen Hauptstadt Doha. Würde man also beispielsweise mit dem Auto oder Bus die 700 Kilometer von Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) nach Doha (Katar) fahren wollen, müsste man dabei auch 170 Kilometer über saudi-arabisches Gebiet zurücklegen (inkl. aller Visaprozesse, etc.), was insgesamt sehr zeitaufwendig wäre. Daher ist die übliche Reisevariante zwischen den beiden Hauptstädten dieser nicht aneinander grenzenden Golfstaaten eine kurze Flugreise von 500 Kilometer über den Arabischen Golf.

Durch leichte Verschiebungen im Marathon-Veranstaltungskalender in den Emiraten und Katar ergab sich 2025 erstmals die gute Gelegenheit, beide Hauptstadtmarathons innerhalb von nur sechs Tagen absolvieren zu können. Diese Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen und so buchte ich noch vor Weihnachten eine entsprechende neuntägige Reise an den Persischen Golf.


Zeit vor dem Lauftag

Da ich also am Sonntag vor dem Doha Marathon bereits in Dubai (VAE) den dortigen Stadtmarathon absolvieren wollte, entschied ich mich mit Qatar Airways von Wien über Doha nach Dubai anzureisen. So kann man (günstiger) den gleichen Rückflug buchen, nur nicht wie beim Hinflug als Transfer umsteigen, sondern einen „Zwischenstopp“ von einigen Tagen in der Hauptstadt Katars einplanen.

Am folgenden Mittwoch nach dem ersten Lauf trat ich demnach meinen kurzen Flug von Dubai nach Doha an. Die Uhren werden zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar um eine Stunde zurückgestellt, weil Katar nur mehr 2 Stunden vor MEZ (Winterzeit) liegt.
Die Ankunft am Hamad International Airport, welcher regelmäßig zum weltweit besten Airport gewählt wird, gestaltet sich einfach und der digitale Einreiseprozess inklusive Iris-Scanning weniger zeitaufwendig als in Dubai. Ein extra Visum benötigen Reisende aus EU-Staaten als Touristen nicht.
In zwanzig Minuten kann ich somit bereits mein Gepäck in Empfang nehmen und über eine längere Fußgängerbrücke zur Metrostation der Red Line gehen. Die Red Line war die erste von drei Linien in Doha und wurde 2019 eröffnet. Sie verkehrt täglich von ca. 5:30 bis zumindest Mitternacht; außer an Freitagen (quasi der Sonntag in den islamischen Staaten), an denen startet das Service erst ab 14h. Die Tageskarte fürs ganze U-Bahn-Netz kostet bloß ca. 1,60 € und ist an jeder Station bei Automaten erhältlich. Hinterlässt der Flughafen trotz 360.000 Flugankünften pro Jahr und seiner beachtlichen Größe (im Flughafen befinden sich neben dem gigantischen Shopping-Imperium auch ein 25-m-Swimmingpool, Fitness Center und Squash Court, eine Moschee, zwei Hotels, als auch ein tropischer Regenwald) bereits einen sehr aufgeräumten und sauberen Eindruck, so verstärkt das Erscheinungsbild der Metro-Infrastruktur diesen Eindruck noch um einiges. Nicht ein einziges Stück Abfall ist irgendwo zu sehen, alles glänzt hochpoliert und die Auf- und Abgänge sind durchgängig in gedämpften aber hellen Farben gehalten. Die U-Bahn Züge selbst sind desgleichen von hoher Eleganz. Stoffsitze sind Standard, in einer eigenen Gold-Class kann man diesen Komfort noch steigern.
Mit der Red Line bin ich in einer knappen halben Stunde vom Flughafen auch schon bei der Station DECC, direkt im Finanz- und Regierungsviertel der Stadt. Ich habe wohlweislich ein Hotel in diesem Stadtteil gebucht, um am Renntag auch gleich in der Nähe des Starts zu sein, und so nicht auf Taxi-Transport angewiesen zu sein. Aus der U-Bahnstation raus fällt die Orientierung nicht schwer. Quasi in Sichtweite von ca. 300 m befindet sich schon das Le Méridien City Center, das ich leicht zu Fuß erreiche. Das erstklassige Hotel wird mir in den folgenden fünf Tagen eine sehr angenehme Bleibe sein und befindet sich noch dazu nur drei Minuten entfernt vom Marathonstart am Freitag vor dem Hotelpark.
Nach dem Check-in zieht es mich bald wieder raus in die Stadt, welche ich zuerst per pedes erkunden möchte. Nur einmal über die Straße erreiche ich gleich den Hotelpark vor dem pyramidenartigen Sheraton Grand Hotel, welches als erstes „Turmhotel“ zu Beginn der Stadtexpansion in den 1970er-Jahren auf wiedergewonnen Land entstand. Hier öffnet ab 15 Uhr die Marathonmesse und ich kann bereits meine Startunterlagen in Empfang nehmen. Wartezeit ist zu diesem Zeitpunkt de facto keine und ich bekomme zusätzlich ein rasch gemachtes Gratisfoto mit Startnummer bei einem Stand eines Schuhherstellers.

Kurz darauf wandere ich bereits entlang der hufeisenförmigen Meeresbucht und der parallel geführten Stadtautobahn Al Corniche Richtung Dhow Harbour (traditionelle Barken). Es fällt mir positiv auf, dass für Läufer neben dem Wegstreifen für Fußgänger ein extra Streifen mit weichem Belag angelegt ist, während für Fahrräder und eScooter nochmals eine Fahrbahn abgeteilt bleibt. Grünstreifen mit Sträuchern und Palmen, sowie Freiluft-Kunstwerke lockern die fast neun Kilometer lange Nord-Süd-Promenade zusätzlich auf. Doha präsentiert sich als moderne Stadt, welche von der weitläufigen Ansiedlung vor über 50 Jahren, als eine geringe Bevölkerung von 20.000 Kataris in nur einstöckigen oder erdgeschossigen Gebäuden wohnten, vor allem in den letzten 25 Jahren in eine imposante Großstadt mit knapp einer Million Einwohner:innen transformiert wurde (im Umkreis von Doha lebt heute mit bereits 3 Mio Menschen quasi 85% der Bevölkerung Katars). Allein im nördlicheren Teil der Corniche und West Bay (Al Dafna) finden sich schon über 60 Büro- und Wohntürme mit durchschnittlich 30 oder mehr Stockwerken, und auf zahlreichen weiteren Baustellen wird emsig weitere gebaut.
Das ist zwar immer noch wenig im Vergleich zu Dubai, wo dergleichen Wolkenkratzer schon in die tausende gehen. Nur der Bereich von Dubai Marina südwestlich der künstlich aufgeschütteten Palm Jumeirah umfasst bereits ca. 250 Wohntürme und ist somit das größte Residential Real Estate Entwicklungsprojekt der Welt. Diesem Gigantismus ohne Grenzen hat man sich in Katar zum Glück (noch) nicht ganz so angeeignet und damit (vorerst) auch nicht dessen unvermeidliche Negativfolgen wie man sie in Dubai bereits überall sehen kann: Übertourismus, Facharbeitskräftemangel, Verkehrsüberlastung, irritierend überhöhte Preise, etc. Die Marathonstartgebühr von Doha beträgt beispielsweise nicht einmal die Hälfte der happigen 150 € von Dubai.
Weiter nordöstlich in Doha befinden sich die Badestrände der Stadt und Vororte, die oft privat geführt sind, aber fast immer auch für Tagesbesucher:innen offen sind. Wer bei der Fußball-WM Ende 2022 bereits in Katar war, wird wahrscheinlich dem einen oder anderen Strand einen Besuch abgestattet haben, befinden sich doch einige der neu erbauten Stadien, wie das Lusail und Al Bayt Stadium, auch nördlich des Stadtzentrums. Weiter stadtauswärts finden sich ebenfalls die größeren Beach Resorts, wie das Al Qassar und Semaisma North Beach Resort, das große Pearl Island, Katara Cultural Village, als auch weiter draußen die rasch wachsende Lusail City (Endstation der Red Line Metro).
Auf meinem Rundgang am ersten Nachmittag komme ich aber noch nicht soweit in die neuere Peripherie der Stadt, sondern wandere gemütlich zuerst durch den groß angelegten Al Bidda Park und dann durch die Häuserschluchten der West Bay (Al Dafna) zurück zum Hotel.
Da ich die Startnummer bereits abgeholt habe, kann ich am Donnerstag (Tag vor dem Marathon) nach einem hervorragenden und ausgiebigen Frühstücksbuffet im Hotel, einige weitere Sehenswürdigkeiten der Stadt ansteuern. Als erstes fahre ich mit der Metro zum National Museum. Der 2019 eröffnete spektakuläre Bau des französischen Stararchitekten Jean Nouvel zeichnet in seiner Formensprache eine kristalline Wüstenrose nach, wie sie zahlreich in den Wüstenlandschaften des Landes vorkommt. Auf dem Gelände des Museums kann man auch den historischen Sheikh Abdullah bin Qassim Al Thani Palast erkunden, welcher einen wichtigen Teil der nationalen Identität Katars repräsentiert. Im Museum selbst finden sich mehrere Galerien zu ganz verschiedenen Themenbereichen, wie der Archäologie, Ethnologie und Naturhistorie des Landes. Nach einem ausführlichen Streifzug durchs Gebäude genieße ich einen Cappuccino mit einem köstlichen Pistaziencrème -Kuchen im integrierten Desert Rose Café. Im Souveniershop des Museums erstehe ich den äußerst informativen, 452 Seiten umfassenden “Merhaba - Qatar Information Guide“ 2024/25 um geringe 8 €. Das regelmäßig aktualisierte Buch (aktuell 91. Ausgabe), herausgegeben von Hillary Bainbridge, entpuppt sich als wahrer Fundus verschiedenster interessanter Fakten über das Land, seiner Leute und das Leben in Katar. Es kann auch im gesamten Umfang online unter https://marhaba.qa/marhaba-eguides/ durchgeblättert werden. Die Website ist jedem nach Katar Reisenden zu empfehlen, finden sich doch hier noch viele weitere spezifischere Guides, wie fürs Reisen im Land, Veranstaltungen, Essen und Restaurants, Autofahren, etc.
Am Nachmittag gehe ich zu Fuß vom Nationalmuseum ein Stück retour in den alten Stadtteil Souq Waqif, wo sich neben dem alten Warenmarkt auch der Goldsuk befindet. Umrahmt wird das Ganze von vielen historischen Plätzen, wie dem Al Rayyan Theater, dem Islamischen Kulturzentrum, den Pferde- und Kamelstallungen, und dazwischen immer wieder kleine Restaurants und Boutique Hotels. Nach einem ausgiebigen Rundgang nehme ich noch ein spätes Mittagessen in einem lokalen Restaurant vor Ort und begebe mich danach zur Metro und fahre wieder retour ins Hotel.


Freitag – Race Day

Wie üblich in Ländern mit warmen Klima verlangt einem auch der Doha Marathon einen Frühstart um 06:00 Uhr ab. Die anderen drei Bewerbe (21K/10K/5K) starten später, aber bis 09:00 Uhr sind alle angegebenen 13.000 Teilnehmer:innen auf der Strecke. Das wird sich aber nirgends wie bei so manch anderem Stadtmarathon als problematisch herausstellen, da die Streckenführung weitreichende Straßensperren vorsieht. Es sind sogar die teilweise durch Grünstreifen getrennten Gegenfahrbahnen für die Retourstrecke gesperrt. Die Routenführung sieht zwei gleiche Out-and-back Schleifen vor, bei der jeweils ein signifikanter Richtungswechsel nach 5 und 11 Kilometern zu machen ist, was uns pro Runde vom Start weg in südliche Richtung führt (KM 5/26), sodann wieder retour ins Stadtzentrum (KM 11/32), und anschließend ist das gleiche wieder zurückzulaufen. Trotz der Wiederholung erweist sich die Strecke aber als sehr abwechslungsreich und kurzweilig.
Nach dem Line-up ab 05:40 Uhr geht es rasch dem Marathonstart zu. 19 Eliteathleten und 10 Eliteathletinnen mit jeweils drei Pacern starten eine Minute vor dem Pulk der Hobbyläufer. Bei etwas über 600 Marathonläufer:innen sieht der Veranstalter noch keinen Wellenstart vor. Es liegt auch keinerlei Notwendigkeit vor, starten wir doch pünktlich direkt auf der vier Fahrspuren breiten Al Corniche Avenue vor dem Hotelpark. Es ist noch etwas dämmrig, aber schnell baut sich ein schöner Sonnenaufgang auf. Bereits nach ein wenig mehr als zwei Kilometern streifen wir die erste Labestelle, wo bereits kleine Wasserflaschen gereicht werden, wovon zu dieser Zeit aber noch wenig Gebrauch gemacht wird. Dies wird sich auf der zweiten Runde ändern, genauso wie bei den kürzeren Läufen, welche bereits bei Sonnenschein starten werden. Im für mich zügigen 5‘:50“ Tempo geht es weiter entlang des pittoresken Corniche (=Bucht) Boulevards bis zum bekannten Pearl Monument, einer riesigen Skulptur, welche eine überdimensionale Perle in einer Austernmuschel darstellt und an die wesentliche historische Rolle Katars als Perlengrossmacht erinnert.
Heute ist Katar bereits zweitgrösster Flüssigerdgaslieferant der Erde (25% des Weltbedarfs) und sitzt noch auf den drittgrössten Gasreserven weltweit. Da verwundert nicht, dass Katar eine der höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt aufweist und es nicht nötig hat personenbezogene Einkommenssteuern einzuheben, während Firmen nur eine niedrige Flat Tax von 10% zu berappen haben.
Bei KM 5 vor dem Katar Finanzministerium kommt es alsdann zum ersten 90° Richtungswechsel, weg von der Corniche in die Grand Hammad Street und mit ein paar mickrigen Anstiegsmetern laufen wir entlang des gesamten Souq Waqif-Viertels mit nochmaliger Richtungsänderung wieder Richtung neuem Stadtzentrum. Jetzt führt uns die lange und breite Majlis Al Taawon Street parallel zur Corniche wieder Richtung Norden bis zum Doppelturm-Hochhauskomplex der North Oil Company. Gleich danach vor dem charakteristischen Tornado Tower bei ca. KM 11 ist bereits die Kehrtwende zu absolvieren, welche uns dann auf die gleiche Strecke retour zum Start schickt. Bislang habe ich mein Tempo gut gehalten und der Anblick der Hochhäuser auf die wir zugelaufen waren hat einiges an Energie freigesetzt. Jetzt geht es wieder retour und ich kann weitere interessante Sehenswürdigkeiten ausmachen, wie eine ganz in weiss gehaltene Moschee, an der wir direkt vorbeilaufen, die Qatar Postzentrale auf der gegenüberliegenden Seite und nach der neuerlichen Richtungsänderung, zurück auf der Corniche, den Gebäudekomplex des Amiri Diwan, dem Verwaltungssitz des Emirs (gleichzeitig Staatsoberhaupt) und der Regierungsmitglieder. Im monarchistischen Emirat gibt es allerdings folgerichtig kein Parlament, jedoch wurden auf Stadtebene vor kurzem Wahlen zugelassen.
Vom Amiri Diwan aus sind es ungefähr nur noch drei Kilometer zur Halbmarathonwende bei Start/Ziel. Man sieht in Laufrichtung die Hochhäuserfront der West Bay schon wieder vor einem, jedoch erscheint mir subjektiv der Weg entlang der Bay bis dorthin noch viel weiter als die aufgestellten Distanzanzeigetafeln. Mit 02h:09‘ erreiche ich die Wendemarke bei 21 KM und geniesse ein isotonisches Getränk und zwei Datteln, welche hier gereicht wird. Jetzt heisst es also dieselbe Strecke nochmals zu absolvieren, und nach der Wende ist das bei zwei gleichen Halbmarathonhälften immer eine gewisse mentale Schlüsselstelle. Ich konzentriere mich aber auf den wunderbaren Ausblick auf die Meeresbucht, welche nun ansehnlich den hellen Sonnenschein reflektiert. Bald biegen wir wieder Richtung Stadtmitte ab und ich kann die ersten Halbmarathonläufer:innen überholen, welche später als der Marathon gestartet sind. Das gibt wieder einen kleinen Energieschub und ich freue mich nach der letzten Kehrtwende auf die bereits finalen 10 Kilometer. Jetzt beginne ich auch mit den ersten „Hochrechnungen“, welche Endzeit heute möglich sein wird. Gar zu ehrgeizig bin ich aber nicht unterwegs; dieser Marathon lädt wirklich eher zum Geniessen und Sightseeing ein. Wie gewohnt ziehen sich die letzten Kilometer doch in die Länge und es wird zunehmend wärmer. Auf dem letzten Teilstück mischen sich nun vermehrt langsame Läufer:innen der Kurzdistanzen mit noch stärkeren Marathonläufer:inne:n. Die einen kann ich noch überrunden während mich einige andere noch kurz vor dem Ziel überholen. Mit 04:36:59 überquere ich - 48 Sekunden schneller als fünf Tage vorher in Dubai - die Ziellinie des Doha Marathons. Eine sehr schöne Medaille wird gleich überreicht und im anschliessenden Regenerationsbereich gibt es wieder isotonische Getränke, Snacks und Bananen. Es ist nicht mal noch 11 Uhr Ortszeit und schon habe ich einen Marathon in der Tasche. Ein englisch sprechender Zuschauer meint treffend zu den gerade Ankommenden „Now go back to your hotel and enjoy your breakfast brunch“, was ich auch tue.

Fazit

Der Doha Marathon ist ein mit Herz und Gründlickeit organisierter Hauptstadtmarathon in einem äußerst interessanten Land. Aus der EU kommend erscheint das Preis-/Leistungsverhältnis in Doha als gut, wobei ein signifikanter Fokus auf Qualität in allen Bereichen gesetzt wird. Nicht nur ist Katar eines der sichersten Länder der Welt, auch gestalten sich Anreise nach und Transport in Doha relativ einfach. Wer für einen der vier Laufbewerbe ins Land reist sollte unbedingt einige Tage dranhängen. Die Stadt und das Land bieten viele Möglichkeiten für kulturelle und weitere Aktivitäten.
Den Marathon selbst charakterisiert trotz seiner zwei Halbmarathonrunden eine sehr aufschlussreiche und sehenswerte Strecke. Auch hatte ich kaum jemals irgendwo so viel Platz zum Laufen als hier (i.d.R. fast überall 4 Fahrspuren breit). Die Temperaturen sind am Morgen noch sehr angenehm und bei halbwegs guten Laufzeiten bis zu 4 ½ Stunden keine große Herausforderung. Die fast gänzlich flache Strecke erlaubt zudem durchaus gute Zeiten. Jeder erhält eine sehr schön gestaltete Medaille und nach dem Lauf ein personalisiertes Zieleinlaufvideo und Urkunde zum Download. Eine sehr nette Geste des Veranstalters ist die Einladung aller Gewinner:innen der vier Altersgruppen zu einem Gala Dinner im Veranstaltungshotel. Informationen auf der Website sind umfassend und vor dem Lauf erhält man förderliche E-Mails mit detaillierteren Angaben für den Bewerb.

Teilnehmer:innen und Siegerzeiten Doha

Frauen:
1. Estefania Unzu Ripoll, 02:58:17
2. Elizabeth Kerr, 03:20:38
3. Maris Luhamae, 03:23:39

∑ 103 Finisher ♀  

Männer:
1. Ahmed Elhissouf, 02:29:36
2. Rachid Boudalla, 02:31:21
3. Jared Korir, 02:30:18

∑ 522 Finisher ♂ 

∑ insgesamt 626 Finisher; Zeitlimit: 7:00 Stunden.

Extra Wertung für ∑ 22 Eliteläufer:innen-Finisher (14 ♂ / 8 ♀)

Marathonausschreibung:

https://www.dohamarathonooredoo.com/

Resultate:
https://suffix.events/en/result

Land-/Stadt-Information:

https://marhaba.qa/marhaba-eguides/

 

FOTOS:

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  • 2025_Doha_10

2024-12-08  Nicosia Marathon (CYP)

Laufen in der letzten geteilten Hauptstadt Europas

(Laufbericht von Werner Kroer)

Nikosia ist nicht nur die Hauptstadt der Republik Zypern, der mit 9.200 km2 drittgrößten und östlichsten Mittelmeerinsel, sondern auch die letzte geteilte Hauptstadt Europas (wenn nicht sogar weltweit). Wie die Kapitale so ist auch das ganze Land faktisch geteilt. Der nördliche Teil – die selbsternannte Türkische Republik Nordzypern – umfasst 37% der Fläche und wird nur von der Türkei anerkannt. Die Inselteilung manifestiert sich in einer 180 km langen Pufferzone, die nur über einige wenige Grenzübergänge verfügt, einer davon in der Altstadt von Nikosia (Ledra Street). Als EU-Bürger kann man hier einfach mit dem Reisepass (wird auf beiden Seiten gescannt) die Grenze in den Nordteil Nikosia‘s zum Sightseeing überschreiten (nur zu Fuß) und so auch wieder zurückkehren. Die ganze Insel (!) ist seit 2004 Mitglied der EU, was sogar zur Förderung selektiver Infrastrukturprojekte im Nordteil geführt hat. Trotzdem wird die Demarkationslinie der Insel seit der türkischen Invasion in 1974 noch immer von UN-Truppen (UNFICYP) kontrolliert. Österreich stellte viele Jahre lang ebenfalls ein Kontingent im östlichsten Teil der Insel (Famagusta) zur Verfügung. Als junger Student war ich 1980 für sechs Monate in diesem Kontext auf der Insel im Einsatz, der mich ein paar Mal für wenige Stunden über die damals noch gänzlich getrennte und für Zivile nicht passierbare Hauptstadtgrenze führte. Mittlerweile sind die einstmals fast 6.000 Mann umfassenden UN-Streitkräfte auf unter Tausend geschrumpft. Die Unabhängigkeit des Landes liegt eigentlich noch gar nicht so lange zurück – erst 1960 konnte sich der Staat vom Britischen Empire in die eigene Unabhängigkeit loslösen. Zwei autonome englische Militärbasen blieben allerdings bis heute erhalten.

Besser als die jüngere politische Geschichte des Landes hat sich die Entfaltung des (Marathon)-Laufens in Zypern entwickelt. Die beiden bekannten Küstenstadtmarathons in Limassol und Paphos können mittlerweile auf eine kontinuierliche Durchführung von bis zu 26 Jahre zurückblicken (beide jeweils im März d.J.). Larnaka hat vor 7 Jahren begonnen, einen internationalen Marathon anzubieten und entwickelt sich ebenfalls gut. Zumindest 72 Österreicher:innen haben bisher auch schon bei einem der Läufe teilgenommen, was sicherlich auch der Beliebtheit der Insel als Urlaubsdestination zugeschreiben werden kann.
Beim Nikosia Marathon ist die Situation etwas unübersichtlicher und seine Entwicklung weist noch nicht so lange Konstanz auf. Recherchiert man auf der Event-Website kann man erkennen, dass in 2010 ein erfolgreicher Halbmarathon mit 400 Finishern veranstaltet wurde, was offensichtlich dazu führte, dass dann in 2012 auch – erstmals? –  ein Hauptstadtmarathon in Nikosia durchgeführt wurde. Unter den 94 Finishern waren auch vier Österreicher, vermutlich Läufer, die auch bewusst (europäische) Hauptstädte als Veranstaltungsort attraktiv fanden. Ob es nach 2012 wieder einen Unterbruch beim Marathonlauf in Nikosia gab, oder die Veranstaltung kontinuierlich weitergeführt wurde, lässt sich ohne tiefere Recherche nicht leicht feststellen. Die Webseite führt jedenfalls wieder Marathonergebnisse für die Jahre 2020, 2022 und 2023 auf. Offensichtlich zuletzt auch mit neuer Streckenführung.
Für 2024 war nun der Marathon (und Halbmarathon) für den 8. Dezember ausgeschrieben. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das Klima Anfang Dezember in Zypern noch recht angenehm mild ist, was mich auch dazu veranlasst hatte, einmal den Nikosia Marathon zu laufen.

Anreise und der Tag vor dem Lauf

Mit der nationalen Fluglinie ist Zypern via Larnaka leicht erreichbar. Freitag nachmittags kommt man nach 16:00h (+ 1 h Zeitverschiebung) an. Ich habe vorher über die Webseite von Kapnos Airport Shuttle einen Transfer von LCA nach Nikosia reserviert. Die Fahrt im Kleinbus kostet nur 9,- € und dauert knappe 45 Minuten. Vom Firmensitz des Transportunternehmens am Stadtrand nehme ich dann noch ein Taxi zum Hotel (€ 13,--).

Das Altius Boutique Hotel befindet sich einen Kilometer westlich außerhalb der Altstadt und vor allem nur 850 m vom Marathonstart am Sonntag entfernt.
Nach Ankunft und Hotel Check-in starte ich noch eine kleine Abendrunde in der Vorstadt und gehe Richtung Eleftheria Square, welcher sich entlang der Südwestflanke der alten venezianischen Stadtmauer entfaltet und vom weltbekannten Architekturbüro Zaha Hadid Architects in langjähriger Arbeit von 2005 bis 2021 entwickelt und erweitert wurde. Heute inkludiert die Konzeption des Platzes auf Höhe der Altstadt bei Ledra Street auch einen großen Teil des darunter liegenden Stadtmauergrabens, welcher nun auf längerer Strecke parkähnlich als Flanier- und Erholungszone aufgewertet wurde.
Mittlerweile ist es jedoch bereits finster geworden und daher verschiebe ich eine nähere Erkundung dieses interessanten Beispiels gelungener urbaner Architektur auf den nächsten Tag und wandere gemächlich zurück in die Diagorou Street, welche eine typische Einkaufsstraße einer Großstadt darstellt. Schicke Verkaufsläden reihen sich hier aneinander, mit einzelnen Restaurants dazwischen, ohne dass man hier viel von einem zypriotisch-griechischen Flair mitbekommen würde. Zum Abendessen wähle ich dann hier eines der freundlichen Restaurants, wo – wie fast überall in Nikosia und Zypern – problemlos in Englisch kommuniziert werden kann.

Am Samstag habe ich mir wie üblich zwei Schwerpunkte gesetzt: zu einem die Startnummer für den Sonntagsmarathon abzuholen und eine erweiterte Stadterkundung vorzunehmen. Da ich die Altstadt von Nikosia schon von einem früheren Besuch grob kenne, habe ich auch keinerlei Mühe, am Vormittag gleich direkt das CYENS Centre im Zentrum der Altstadt anzusteuern. Zu Fuß vom etwas außerhalb gelegenen Hotel ist die ca. 2 km entfernte Marathonmesse leicht in etwa einer halben Stunde erreichbar. Auf der Strecke dorthin komme ich auf halbem Wege bereits beim Stadttheater (Nicosia Municipal Theatre) vorbei, wo am Folgetag der Marathon und Halbmarathon gestartet werden wird. Im umliegenden Park sieht man schon Aufbauarbeiten für einen großzügigen Start- und Zielbereich im Gange. Ganz offensichtlich ist beim morgigen Bewerb keinerlei Gedränge zu erwarten.
Ich schreite weiter und betrete über das gleich dahinter liegende Paphos Gate in der Stadtmauer die westliche Flanke der Altstadt. Vorbei am aufgelassenen ehemaligen Beobachtungsposten UN65 (OP - Observation Point) überquere ich bald die zentrale Fussgängerzeile in der Ledra Street, wo sich auch der Fussgänger-Grenzübergang in den türkischen Teil befindet. Ich wandere nun knapp entlang der städtischen Demarkationslinie, vorbei an Ölfässer-Barrikaden in der Dionysou Street, bis zum nicht mehr weit entfernten einstöckigen Neubau des CYENS Centre of Excellence, ein mitten im Altstadtwohnviertel neu errichteter Forschungs- und Innovations-Schwerpunktbau. Im Parterre sind eine Handvoll der bei Marathonmessen typischen Informations- und Produktstände aufgebaut, sowie einzelne Informationstische pro Laufbewerb. Beim Marathonstand erhalte ich umgehend ohne Warten meine bib# 4131 und nebenan ein Laufshirt in blau mit dem Startersackerl und ein paar Gutscheinen. Ich schlendere noch durch den Saal und genieße einen guten Kaffee im integrierten Akora Cafė Gastgarten. Die Temperatur ist nun mit 20° C sehr angenehm und man benötigt keine Jacke oder Pullover mehr.
Ich setze meine kleine Sightseeing-Tour fort über den Erzbischöflichen Palast und der dahinterliegenden Kathedrale Agios Ioannis in der Apostolou Varnava, sowie weiter zur weiter vorne angrenzenden Apostle Barnabas Cathedral, welche frei auf einem ganz neu renovierten Platz mit viel weißem Stein sehr mächtig diese Ecke der Altstadt dominiert. Die Kathedrale wurde vor noch nicht langer Zeit neu errichtet und wurde im Juni 2021 feierlich von kirchlichen Würdenträgern aus Zypern und Griechenland als auch lokalen Politikern eröffnet. Dem Neubau und der Umgestaltung des Platzes mitten im altstädtischen Wohnviertel war auch einiges an Kritik vorausgegangen. Dennoch wurde das prunkvolle Interior mit Marmor-Fußböden aus Griechenland, Leuchtern aus Tschechien, Buntglasfenstern aus Rumänien und Kirchenglocken aus Polen wie geplant realisiert. Der Altar wurde aus drei verschiedenen Hölzern geschnitzt: Zedern, Pinien und Zypressen, allesamt Holzarten wovon die Kunde besagt, dass sie auch für Jesus‘ Kreuz verwendet wurden. Die Kathedrale ist frei zugänglich und sicherlich einen Blick ins Innere wert. Sodann verlasse ich den sakralen Stadtbereich und steuere nun den Grenzübergang in den türkischen Stadtteil an (die griechischen Zyprioten referenzieren dabei immer nur auf den türkisch besetzten Stadtteil). Auf dem Weg zurück in die Ledra Street sollte man unbedingt einen Stopp beim Shacolas Tower Museum and Observatory machen. Der Eintritt kostet bloß € 2,50 für welche einem aus dem 11. Stock des Turmes ein eindrucksvoller 360°Rundumblick über die Stadt und weit hinaus in beide Inselteile gewährt wird. Nach Norden hin sieht man am Anstieg zum Kyrenia Gebirge (Pentadaktylos Range) eine riesige in die Landschaft gesetzte (gemalte) türkisch-zypriotische Flagge als massives und dauerhaftes politisches Statement der Türkischen „Schutzmacht“.
Beim Lokmaci Crossing Point am Ende der Ledra Street wird bei Ein- als auch Ausreise der Reisepass sowohl von den griechisch- als auch den türkisch-zypriotischen Grenzbeamten eingescannt. Für EU-Bürger ist dies die einzige Formalität. Die Grenze überschreiten können hier nur Fußgänger:innen und Radfahrer:innen. Wer dies mit dem Auto tun will, muss auf den Übergang bei Metehan (auch Agios Dometios oder Kermiya genannt) im Westen der Stadt ausweichen. Mit Leihwagen ist es jedoch ohnedies aufgrund der Komplikationen bei der Versicherungsdeckung verboten, die Grenze zu passieren, egal von welcher Seite man herkommen würde.
Der türkische Teil der Stadt präsentiert sich bezüglich der historischen Gebäude noch sehr übereinstimmend mit dem südlichen Stadtteil, da ja viele der Bauten noch aus einer ungeteilten Vergangenheit stammen. Bei den neueren Gebäuden erkennt man leicht die schwächere Finanzkraft des Nordteils. Viele Geschäfte führen auch die mittlerweile leider in vielen Städten omnipräsenten Markenwaren-Plagiate aus Asien für Kleidung, Schmuck und Accessoires. Ich konzentriere mich auf die Besichtigung der historisch wertvollen Anlage des Büyük Han, eines einstöckigen Vierkanthofs mit innseitigen Bogengängen, welcher ursprünglich von den Ottomanen 1572 nach der Eroberung Zyperns von den Venetern als Karawanserei errichtet wurde. Im Innenhof befindet sich eine kleine Moschee mit Brunnen. Heute dient das in den 90iger-Jahren renovierte Bauwerk als Kunst- und Ausstellungszentrum. Eine weitere Runde durch die Altstadt bringt mich noch an vielen gemütlichen türkischen Kaffee- und Teerstuben vorbei. Fast alle haben Gastgartenbetrieb, das Wetter im Dezember erlaubt dies auch ohne energie-verschwenderische Heizstrahler.
Nach zwei Stunden beende ich meinen Ausflug in die „Türkische Republik Nordzypern“ und kehre durch die Altstadt zurück zum Eleftheria Square (Freiheitsplatz) im griechisch-zypriotischen Stadtteil. Hier kann ich nochmals die revitalisierte Anlage, welche ich schon am Vorabend gestreift hatte, in seinem ganzen Ausmaß bewundern und auf beiden Ebenen abgehen. Da ich nun bereits über 10 km Gehstrecke akkumuliert habe, mache ich mich langsam auf den Retourweg ins Hotel, schließlich sollte ich ja am nächsten Morgen frisch und bei Kräften an den Marathonstart gehen können.

Sonntag – Race Day

Durch den Frühstart um 07:00 Uhr erübrigt sich das reguläre Frühstück im Hotel. Die üblichen zwei Müsliriegel mit einem Getränk müssen reichen. Ich mache mich erst um 06:20 h auf den Weg zum Stadttheater, wo ich schon nach 10 Minuten ankomme. Die Schar der Marathonläufer:innen ist leicht überschaubar. Von den 250 Gemeldeten werden letztlich 200 an den Start gehen, wovon bis auf zwei Läufer alle wieder das Ziel erreichen werden. Wie mittlerweile überall weist der Halbmarathon den größten Teil der Teilnehmer:innen auf. Diese werden aber zehn Minuten nach uns an den Start gehen. Der Startbogen weist unsere Laufrichtung in die Altstadt, welche wir tatsächlich gleich nach dem pünktlichen und unaufgeregten Start durch das Paphos-Tor ansteuern. Der erste Streckenteil bewegt sich aber nicht allzu lange innerhalb der Altstadt, führt gleich rechts weg Richtung Eleftheria Platz und dann entlang der Stadtmauer bis zum ganz im Ostteil gelegenen Famagusta-Tor, wo die Strecke bis ca. KM 5 noch nördlich an die Demarkationslinie heranführt, um uns dann nach zwei 90°- Verlaufsänderungen ganze zehn Kilometer nach Süden zu schicken. Auf dem Weg dahin durchqueren wir zuerst Wohn- und dann Geschäftsviertel der hauptstädtischen Außenbezirke und verlassen dann die Stadtgrenze Richtung University of Cyprus, einem enorm großen Campus, welcher nicht nur die Universitätsgebäude, sondern auch Wohnheime und weitere Forschungsinstitute miteinschließt. Weitere begonnene Bauprojekte zeugen von offensichtlich starkem Wachstum dieses Bereichs der Stadt. Die bisherigen elf Kilometer auf Asphaltstraßen waren vorbildlich für den gesamten Verkehr gesperrt und so wird es sich auch auf dem (gleichen) Rückweg gestalten. Die Straße führt nun weiter ins Grüne und wir erreichen den Eingang zum Athalassa National Forest Park, wo wir auf den nächsten 18 Kilometern zwei große Schleifen laufen werden. Die erste, größere führt uns zunächst wieder auf der Südseite des Parks hinaus zum Ortsbeginn von Althalassa, wo nach KM 15 eine Kehrtwende zu machen ist. Nach einem Kilometer retour laufen biegen wir links weg und machen nun ein paar Kilometer entlang der Südgrenze des Parks gut, bis wir den Südparkplatz des Nationalparks erreichen. Dort geht es jetzt wieder tief in den Forest Park hinein und auf einer schmalen Asphaltstraße durch das Kerngebiet des Areals. Hier erinnert nun die Atmosphäre tatsächlich an sanfte Parks, mit moosbedeckten Wäldchen aus Pinien, Zypressen und Eukalyptusbäumen, die einem vergessen lassen, dass man ja eigentlich bei einem Stadtmarathon unterwegs ist. Langsam führt der Weg auf eine Anhöhe von der wir gut die geteilte Stadt vor uns sehen und mehr in der Ferne wieder das türkisch-zypriotische Hinterland mit dem Kyrenia Gebirge als horizontalem Abschluss. Gleich danach werden wir auf die zweite Schleife umgeleitet, welche wir wieder Richtung Westen auslaufen und bei KM 27 die Wende vollziehen. Bald geht es an der Athalassa Radiosonde Wetterstation vorbei, zurück auf die Stammstrecke woher wir vor Erreichen des National Forest Parks gekommen waren. Die Straßen sind noch immer vom Verkehr freigehalten, einzelne querende Fahrzeuge werden durch Streckenposten gut manövriert. Wasserstellen gab es bislang alle 4 - 5 Kilometer mit ausreichend Wasser und daher hatte ich auch keinerlei Hydrationsprobleme zu verzeichnen. Auch das Wetter zeigte sich sehr freundlich. Obwohl uns nach den ersten zehn Kilometern ein Regenschauer einholte, veränderte sich die Wetterlage bald zu blauem Himmel bei warmen Sonnenschein. Jetzt bei KM 32 auf dem Retourweg in die Altstadt kommt man schon ordentlich ins Schwitzen. Die letzten zehn Kilometer vergehen aber relativ rasch, da nun wieder belebte Stadtteile zu durchqueren sind. Jetzt kann ich sogar einzelne Läufer noch langsam überholen und schon geht es wieder Richtung Pafos-Tor, dem letzten Kilometer, welcher uns nochmals eine kurze Schleife rund um den Stadttheater-Park abverlangt. In 04:45:17 geht es über die Ziellinie (146. Rang Männer). Ein Arzt fragt noch jeden Ankommenden, ob alles okay ist. Dann erhalte ich die sehr schöne Medaille als Lohn der Anstrengung. Zufrieden stapfe ich zu dem mit vereinzelten Orangenbäumen und Palmen umfassten Zielbereich und lasse das Lauferlebnis noch nach- und ausklingen.

Fazit

Der Nicosia Marathon ist ein von der Streckenführung her sehr attraktiver Städtemarathon. Ein Mix aus Altstadt, Vorstadt und viel Grünbereich trägt zu einem ausgewogenen und ruhigen Lauferlebnis bei. Die Verpflegung ist dem potentiell noch warmen levantinischen Wetter Anfang Dezember angepasst und ausreichend (genügend Wasserstellen). Die Finisher-Medaille ist sehr schön auf beiden Seiten ausgeführt und durchaus ein Hingucker. Auch dass alle Teilnehmer:innen aller Bewerbe, sogar die Knirpse bei ihren Sprints, die gleiche Medaille erhalten, kann als sympathische Geste des Veranstalters gewertet werden. Für Marathonläufer:innen aus dem Ausland ist der Nicosia Marathon vermutlich hauptsächlich für Marathonsammler:innen von Hauptstadtmarathons von Interesse. Aber auch für alle begeisterten Läufer:innen, die sich etwa Anfang Dezember auf Urlaub im Lande befinden, bildet der Bewerb eine gute Option für einen Marathonstart spät in der Saison. Die Anmeldung über die Website funktioniert einfach und ist mit € 35,- relativ günstig. Die endgültigen Ergebnisse stehen erst am fünften Tag nach dem Bewerb online zur Verfügung, davor werden aber inoffizielle live Ergebnisse ins Internet gestellt. Als vierter Städtemarathon Zyperns hat der Nicosia Marathon in Zukunft durchaus noch einiges Potenzial.

Teilnehmer:innen und Siegerzeiten Nicosia

Frauen:
1. Zurman Maja, 02:58:27
2. Karczynska Eliza, 03:19:00
3. Giannadaki Anna, 03:33:54
∑ 26 Finisher ♀  (0 DNF/DSQ)

Männer:
1. Neacsu Cristian Alexandru, 02:36:03
2. Kanaev Gennadii, 02:36:48
3. Mporodin Pavel, 02:37:34
∑ 73 Finisher ♂  (+2 DNF/DSQ)
∑ insgesamt 198 Finisher

Marathonauschreibung: 
https://www.nicosiamarathon.com/

Resultate:
https://www.nicosiamarathon.com/results-2024/

 

Fotos vom Autor (© W.Kroer):

Marathon:

  • 2024_Nicosia_Marathon_3
  • 2024_Nicosia_Marathon_1
  • 2024_Nicosia_Marathon_2
  • 2024_Nicosia_Marathon_4
  • 2024_Nicosia_Marathon_5
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  • 2024_Nicosia_Marathon_11
  • 2024_Nicosia_Marathon_15
  • 2024_Nicosia_Marathon_14
  • 2024_Nicosia_Marathon_16
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  • 2024_Nicosia_Marathon_17
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  • 2024_Nicosia_Marathon_19
  • 2024_Nicosia_Marathon_20
  • 2024_Nicosia_Marathon_21
  • 2024_Nicosia_Marathon_22
  • 2024_Nicosia_Marathon_23
  • 2024_Nicosia_Marathon_24

Stadt - zypriotischer Teil::

  • Nicosia_Stadt_cypr.Teil_6
  • Nicosia_Stadt_cypr.Teil_3
  • Nicosia_Stadt_cypr.Teil_5
  • Nicosia_Stadt_cypr.Teil_4
  • Nicosia_Stadt_cypr.Teil_1
  • Nicosia_Stadt_cypr.Teil_7
  • Nicosia_Stadt_cypr.Teil_9
  • Nicosia_Stadt_cypr.Teil_8
  • Nicosia_Stadt_cypr.Teil_11
  • Nicosia_Stadt_cypr.Teil_10
  • Nicosia_Stadt_cypr.Teil_15
  • Nicosia_Stadt_cypr.Teil_13
  • Nicosia_Stadt_cypr.Teil_16
  • Nicosia_Stadt_cypr.Teil_14
  • Nicosia_Stadt_cypr.Teil_12

Stadt - türkischer Teil::

  • Nicosia_Stadt_türk.Teil_3
  • Nicosia_Stadt_türk.Teil_2
  • Nicosia_Stadt_türk.Teil_4
  • Nicosia_Stadt_türk.Teil_5
  • Nicosia_Stadt_türk.Teil_1
  • Nicosia_Stadt_türk.Teil_7
  • Nicosia_Stadt_türk.Teil_6
  • Nicosia_Stadt_türk.Teil_8
  • Nicosia_Stadt_türk.Teil_10
  • Nicosia_Stadt_türk.Teil_9

2024-11-24  Maratona Monumental de Brasília (BRA) 

Ein wahrlich monumentales Lauferlebnis im Weltkulturerbe

 (Laufbericht von Werner Kroer)

Vorüberlegungen

Einmal Brasília zu besuchen hatte ich schon immer auf meiner Bucketliste der 100 Dinge, die man im Leben gemacht haben soll. Für den Architektur Interessierten repräsentiert die vom Städteplaner Lúcio Costa und Architekten Oscar Niemeyer in den 50er-Jahren auf dem Reißbrett entworfene und in relativ kurzer Zeit realisierte Planstadt quasi das Mekka der architektonischen Moderne. Weitläufig wurde damals der Basisplan (Plano Piloto) der neuen Hauptstadt Brasiliens als Grundriss eines Flugzeugs ins Alto Plano, das Brasilianische Hochplateau, projiziert. Eine von Nord nach Süd führende Eixo Monumental als parallel angelegte Hauptverkehrsachse wird im zentralen Bereich des Regierungsviertels durch eine ähnliche Querachse gekreuzt und lagert die Stadt gegen Nord-Ost und Süd-West weit aus. Mit diesem grundsätzlichen Bebauungsplan war es Oscar Niemeyer möglich seine bedeutendsten Bauten zügig zu entwerfen und realisieren: Congresso Nacional, Palácio da Justiça, Palácio de Planalto (mit dem Präsidentenbüro), Supremo Tribunal Federal und der Praça dos Três Poderes mit dem Panteão da Pátria e da Liberdade Tancredo Neves, das Pedra Fundamental do Memorial aos Combatentes da Segunda Guerra und den Palácio Itamaraty; weiter nördlich dann die Catedral Metropolitana Nossa Senhora Aparecida, das Museu Nacional de República, die Nationalbibliothek u.v.m.; ebenso die Bauten für 15 Ministerien beidseitig des Grünstreifens der Esplanada dos Ministérios mit den repräsentativen Büros vorne direkt an der Eixo Monumental und den Gebäuden und der mit Hochstegen verbundenen Anexos do Ministerios für Verwaltung und Abwicklung im hinteren Bereich. Es erstaunt nicht nur, dass die Bauwerke in ihrer einzigartigen Formensprache selbst heute noch so unvergleichlich zeitlos modern wirken, sondern dass auch die Anordnung derselben und ihr Verhältnis zueinander einem konsequent durchdachten Masterplan folgen. Weitere Erörterungen würden jedoch den Rahmen dieses Laufberichtes sprengen. Aber durch die 1997 erfolgte Anerkennung der Stadt als Weltkulturerbe ist viel Sekundärliteratur für in der Materie tiefer Interessierte vorhanden.

In meinen letzten 20 Berufsjahren war ich bereits mehrfach beruflich in Brasilien, aber bis in die Hauptstadt hatte ich es dabei leider nie geschafft. Als ich dann im vergangenen Jahr über Social Media rausfand, dass Brasília seit vier Jahren ebenfalls einen Marathon veranstaltet (fast alle anderen brasilianischen Großstädte haben eine viel längere Marathon Tradition), reifte langsam der Plan, 2024 im Rahmen einer kleineren Rundreise auch den "Distrito Federal" miteinzubeziehen und dabei auch den Hauptstadtmarathon zu laufen. Architektur-Sightseeing kombiniert mit Marathonlaufen, das hatte bereits viel Vorfreudepotenzial.

Ankunft in Brasília und erste Eindrücke

Da ich mich bereits seit gut einer Woche im Süden des Landes aufgehalten hatte (und bei dieser Gelegenheit auch am vorangegangenen Sonntag den eindrucksvollen Marathon in Curitiba gelaufen war), war die Anreise von Florianopólis mit Inlandsflug relativ kurz und einfach. Ich hatte schon lange ein Hotel im Setor Norte an der Eixa Monumental gebucht, da die Hotels sehr gut gebucht sind. Wie schon letztens reserviere ich bei Ankunft am Flughafen wieder ein Taxi beim "Safer Pass" Stand, welches mich in Kürze zum Hotel bringt (EUR 12).

Eine erste Exkursion am Nachmittag übertrifft dann doch meine Vorstellungen. Die Dimensionierung der Planstadt, 1960 für eine halbe Million Einwohner ausgelegt, erscheint heute bei mehr als fünffacher Bevölkerungszahl immer noch sehr großzügig. Natürlich hat die Stadt auch weitläufig ins unbebaute Land hinaus expandiert, aber im zentraleren Bereich sorgen die klug angelegten Achsen-Autobahnen mit kaum Kreuzungen, sondern Unterführungen und ausgeklügelten Abbiegespangen für fließenden Verkehr ohne Staus. Einfach gerade nach Süden gehend, entlang dem breiten Grüngürtel zwischen den drei- bis vierspurigen Fahrbahnen der beiden Monumentalachsen (Via S1 / Via N1), erreiche ich bereits nach einer halben Stunde die Esplanada dos Ministérios, wo am Sonntag das Startgelände des Marathons sein wird. Man sieht schon fleißig Aufbauaktivitäten im Gange, sind doch bereits für Samstagabend die Kinder- und Kurzbewerbe (5K/10K) angesetzt.
Mich zieht es jetzt aber noch weiter direkt zu den zentralen Hauptwerken Niemeyers, dem monumentalen Congresso Nacional mit den beiden flankierenden Kuppelbauten (Repräsentantenhaus und Senat), sowie dem nachgelagerten Fórum de Palmas dos Imperiais (60 Palmen) und dahinter liegender Praça dos Três Poderes, einer riesigen Steinpiazza mit weiteren Gebäuden und Monumenten bzw. Denkmälern, als auch dem über 100m hohen Fahnenmast mit der Nationalflagge (aufgezogen, wenn der Präsident anwesend ist).
Der Folgetag steht bereits im Zeichen des Marathons. Ich starte wieder zu Fuß vom Hotel, allerdings diesmal Richtung Nordwesten, um im Pavilhão de Exposições im Stadtpark meine Startnummer abzuholen und die Marathonmesse zu besuchen. Meine Gehroute führt vorbei am mächtigen Fernsehturm (Torre de Televisão), dem monumentalen Estádio Nacional de Brasília Mané Garrincha, welches für die Fußball WM 2014 neu gebaut wurde und 72.000 Zuschauer fasst, weiter über das ebenfalls riesige Tagungszentrum Centro de Convenções Ulysses Guimarães, das breit zwischen den beiden Monumentalachsen liegt, zu meinem Ziel im Parque da Cidade, wo sich der in die Jahre gekommene Ausstellungspavillon befindet. Dort ist Freitag mittags noch moderat viel los, aber das Blechdach der Halle macht das Mikroklima darunter bereits ziemlich heißschwül. Ich begebe mich wie üblich zuerst zur Startnummernausgabe. Mit dem gekauften VIP-Kit habe ich angenehmerweise u.a. auch das Privileg, die (noch) kleine Warteschlange beiseite zu lassen und direkt beim VIP-Schalter meine Nummer in Empfang zu nehmen. Station zwei ist dann gleich anschließend das übliche Laufshirt und eine bedruckte Stofftragetasche. Im VIP-Kit enthalten ist auch noch ein weiteres Finisher T-Shirt, welches ich bei einem extra Stand für Sportbekleidung erhalte.
Zufrieden mit dem einfachen Ablauf genieße ich noch einen der vielfältigen Fruchtsäfte und begebe mich langsam wieder Richtung Ausgang. Meinen einstündigen Retourweg zum Hotel gestalte ich so, dass ich wieder ein paar weitere neue Bereiche im oberen Teil der Stadt entdecken kann.

Sonntag – Race Day

Zum Glück hatte ich am Vorabend nochmals letzte Informationsupdates auf der Facebook-Seite des Maratona Monumental geprüft, wo mir tatsächlich die Ankündigung der Startzeit für den Marathon für 05:00 h früh ins Auge sprang. Bis dahin war ich nämlich der Meinung, der Start für Marathon und Halbmarathon sei eine Stunde später geplant, wie in der Ausschreibung festgehalten. Jedoch galt dies offensichtlich nur für den HM. Damit heißt es für mich auch bereits um 03:30 h raus aus den Hotelbettfedern. Zwei Müsliriegel und ein Instant-Kaffee als Frühstück müssen reichen, eine Banane nehme ich mir auf den 2,5 km kerzengerade die Monumentalachse südwärts führenden Anmarsch zum Marathonstart noch mit auf den Weg. Auf Höhe der Catedral Metropolitana Nossa Senhora Aparecida mache ich noch ein Nachtfoto des auf der gegenüberliegenden Seite hell beleuchteten Meisterwerks Oscar Niemeyers. Dann erreiche ich auch schon den Bereich der Esplanada dos Ministérios nahe dem Gesundheitsministerium. Dort in der Querstraße zwischen Eixo Monumental Norte und Sul (N1/S1) befindet sich die Start- und Zielgerade, bereits mit Absperrgittern und Sektorenbändern versehen. Auf der davor gelagerten Wiese herrscht reges Treiben. Leute kommen und suchen andere Freunde, mit denen sie sich offensichtlich verabredet haben. Auffallend viele Laufgruppen und -vereine sind zugegen und ein beachtlicher Anteil von ihnen hat sich ein Zelt oder einen Stand aufgebaut, wo sich jetzt ihre Mitglieder sammeln. In der Nacht hatte es ordentlich Starkregen gegeben und die Luftfeuchtigkeit ist jetzt enorm hoch. Mein Laufshirt ist bereits beträchtlich feucht vom Schweiß der geringen Anstrengung zum Start zu gehen. Ich steuere das VIP-Zelt an, wo wenig los ist. Das ist angenehm und man kann sich hier noch leicht mit letzter Verpflegung und Getränken versorgen. Dann kommen auch schon die Ansagen, sich in die Startblöcke zu begeben. Die Elite-Gruppe (15 Männer und 5 Frauen) zappelt bereits höchst startbereit vor der Matte. Dann wird kurz laute Lautsprechermusik eingespielt und danach zählt die Moderatorin mit uns Starter:innen von 10 runter. Mit dem Startsignal fallen alle Sektoreinteilungen (kein Wellenstart) und alle Läufer schießen nach vorne so gut es geht. Mit meiner Startposition ganz vorne bin ich in Sekunden am Ender der Startgeraden und wir biegen gleich 90° links in die vierspurige Monumentalachse Süd ein. Jetzt wird ordentlich Stoff gegeben von allen, die Elite vorne ist bereits weg und die schnellen Läufer:innen der nachfolgenden Startblöcke überholen unerschrocken. Im sich ergebenden 5-Minuten-Schnitt geht es bei mir in die ersten Kilometer, was ich schon vom Marathon in der Vorwoche als nicht so optimal in Erinnerung habe (eher zu schneller Start für mich). Heute kommt noch die beträchtliche Luftfeuchte dazu und man sieht schon nach den ersten Kilometern, wie viel alle Läufer:innen schwitzen. Die Organisation hat dafür auch ganze 20 (!) Wasserstellen eingerichtet, wovon viele auch ein isotonisches Getränk anbieten werden. Rasch biegen wir nun vor dem Palácio Itamaraty wieder nach links, queren die Esplanda in die andere Richtung und laufen dann 90°rechts vorbei am von der Morgendämmerung in orangem Licht bestrahlten Congresso Nacional und den unmittelbar angrenzenden anderen Bauwerken. Die breite Straße bietet genug Platz für alle Teilnehmer:innen und führt nun ab KM 5 schon leicht bergab Richtung Zufahrtsstraße zur Ponte Juscelino Kubitschek, einer 1.2 km langen asymmetrischen Bogenbrücke aus dem Jahr 2002 über den Lago Paranoá. Bald nach Überquerung der Brücke schickt uns die Streckenführung in einer engen, erst abfallenden und dann wieder ansteigenden Schleife retour auf die Brücke und nach neuerlicher Überquerung bald südwestwärts auf die lange Via L4 South (Avenida das Nações), welcher wir geradlinig bis zu KM 26 folgen. Dort befindet sich die Wende, wo wir nur die Fahrbahnrichtung über den begrünten Mittelstreifen wechseln und wieder eine der vielen Wasserstellen in Anspruch nehmen (müssen). Jetzt drückt auch bereits die Sonne ordentlich auf die Temperatur, die aber 28° C nicht übersteigen wird. Es erscheint unlogisch und fast unnatürlich, dass ich mich zunehmend besser fühle. Aber die Sonne hat doch einiges von dem zeitig in der Früh so dichten Wasserdampf vaporisiert und bei trockener Hitze zu laufen bin ich von vielen Sommermarathons in Europa weit besser gewöhnt als bei tropischer Dampfdichte. Die lange Gerade retour erlaubt einige Blicke auf das Wohn- und Erholungsgebiet des Paranoá-See Südufers, bis wir bei Kilometer 39 endlich wieder das Zentrum erreichen. Erschöpfung und andauerndes Durstgefühl machen sich breit bei mir. Die letzten drei Kilometer führt uns der Marathon nochmals auf die Monumentalachse N1, vorbei an den Welterbebauten, bis hin zur Abbiegung auf die Zielgerade auf der Esplanada dos Ministérios, wo ich mit Freude in 05:10:10 die Finish Line überquere (9. Rang AK65-69). Eine äußerst ansehnliche metallene Medaille von monumentalem Ausmaß ist der Lohn der Anstrengung. Es war insgesamt sehr anstrengend, aber vom Erlebnis her monumental!

Fazit

Der Maratona Monumental de Brasília weist als Hauptstadtmarathon natürlich alle Aspekte einer Sportgroßveranstaltung auf. Anders als die Marathons in Hauptstädten anderer Länder zählt der Brasília Marathon 2024 erst das fünfte Jahr seiner Durchführung. Deshalb erlauben die "nur" 8.000 Teilnehmer aller Bewerbe eine relativ einfache und unkomplizierte Abwicklung der Veranstaltung. Der frühe Start hat seine Vor- aber auch Nachteile. Als Teilnehmer:in aus Mitteleuropa hilft dabei aber die Zeitverschiebung von minus 4 h gegenüber MEZ. Die Startgebühr ist der lokalen Kaufkraft angepasst und daher günstig für die meisten Europäer. Man sollte bei Anmeldung unbedingt das VIP-Paket in Betracht ziehen, die Vorteile sind offensichtlich. Besonders erfreulich ist, dass für Personen über 60 Jahre die Startgebühr nur 50% beträgt. Dies bezieht sich auch auf das VIP-Paket (32 € nach Rabatt). Die Medaille ist äußerst attraktiv und ihre Vorderseite ziert auch das Konterfei des Congresso Nacional, dem Schlüsselbau in Lopez‘/Niemeyers Weltkulturerbestadt.

Die Kursführung ist auf den ersten und letzten Kilometern äußerst interessant und führt durch das Centro Governamental und Weltkulturerbe. Im Mittelteil der Strecke wird versucht, wie oft bei Point-to-Point Auslegungen, Kilometer in Stadtteilen „zu machen“, wo weniger Verkehrsbehinderungen zustande kommen. In Brasília führt da ein grosser Teil der Marathonroute die lange, gerade Via L4 South (Avenida das Nações) hinaus bis KM 26 und desgleichen retour, wobei man genug schönen Ausblick auf den parallel führenden Ausläufer des Lago Paranoá Sul bekommt.

Wer das erste Mal in Brasilien einen Marathon laufen möchte hat grundsätzlich eine riesige Auswahl an Veranstaltungen. Im Frühjahr oder Herbst auf der Südhalbkugel finden sich die meisten Optionen. Eine gute Übersicht gibt etwa die Website //Roadrunners.run/maratonas/.

Die Hauptstadt Brasiliens hat als Reisedestination einen sehr speziellen Reiz. Wer wirklich an Architektur und Städteplanung Interesse hat, kommt beim Brasília Marathon in diesem weltweit einzigartigen architektonischen Gesamtkunstwerk gewiss auf seine Rechnung.

P.S.: Seit kurzem gibt es auch die neue südamerikanische Marathonserie „42K Megafinisher“, welche ähnlich den globalen Marathon-Majors, die größten fünf Hauptstadtmarathons Lateinamerikas verbindet: Montevideo (URY), Lima (PER), Asunción (PRY), Buenos Aires (ARG) und Brasília (BRA). Megafinisher wird, wer in 60 Monaten alle fünf Marathons erfolgreich absolviert.

Teilnehmer:innen und Siegerzeiten Brasília

Frauen:
1. Josciene Teixeira, 03:16:50
2. Ana Paula Maximo Romao, 03:16:51
3. Lizandra Oliveira Pungirum, 03:18:00
∑ 312 Finisher ♀  (13 DNF/DSQ)

Männer:
1. Daniel de Jesus, 02:36:07
2. Rodrigo Roberto do Oliveira, 02:40:33
3. Vinicius Colomby Ruiz, 02:40:35
∑ 1398 Finisher ♂  (82 DNF/DSQ)
∑ insgesamt 1710 Finisher aus 43 Nationen

Marathonauschreibung:
https://www.maratonamonumentalbsb.com.br/

Resultate:
https://chipbrasil.com.br/eventos

Weltkulturerbe:
https://whc.unesco.org/en/list/445

Megafinisher Südamerika:

https://megafinisher.com/es/

 

Fotos vom Autor (© W.Kroer):

Marathon:

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2024-11-17  Maratona de Curitiba (BRA)

Laufen in der Green City im Süden Brasiliens

(Laufbericht von Werner Kroer)

Vorüberlegungen

Mit Brasilien gibt es mehrere persönliche Berührungspunkte. Zum einen gab es weitschichtig Verwandte in früheren Generationen, zu deren Nachkommen ich aber leider den Kontakt verloren hatte. Mein Vater war noch in den späteren 1950er-Jahren mit seinem Cousin für mehrere Jahre nach Sao Paulo ausgewandert um die prosperierenden Aufschwungjahre unter der Präsidentschaft J. Kubitscheks zu nutzen und sich beruflich weiterzuentwickeln. Ich selbst hatte dann 40 Jahre später ab 2000 einige Male beruflich in Brasilien zu tun, typischerweise im Rahmen der gängigen Geschäftsreisen innerhalb der internationalen Konzerne, mitunter auch mehrwöchig, wenn es um Großprojekte ging. Immer war Stadt und Bundesstaat Sao Paulo das Reiseziel, wo sich üblicherweise die Firmenstandorte befanden. Diesmal wollte ich aber als Privatreisender und mit keinen beruflichen Verpflichtungen mehr, einen weiteren Blick ins fünftgrößte Land der Welt wagen. Der oft als landschaftlich und klimatisch als sehr attraktiv charakterisierte Süden schien mir dabei ideal als Einfallstor für eine gewisse Reiserunde durch das größte Land des Kontinents. Und wie könnte es anders sein für einen Marathon-Enthusiasten, als daß sich dies nicht auch mit einem offiziellen Marathon vor Ort verbinden ließe...

Anreise und erste Eindrücke

Als ersten Stop meiner Reise nach Brasilien hatte ich Curitiba (Bundesstaat Parana) gewählt. Von Wien aus startend bedeutet dies eine Gesamtreisedauer von 22 Stunden mit zwei Mal umsteigen. In der Business Class von Swiss von Zürich nach Sao Paulo ist das aber kein Problem. Pünktlich und entspannt angekommen, kann ich in Sao Paulo zügig mein Gepäck in Empfang nehmen und wieder für den Weiterflug einchecken. Wie auch bei Reisen nach USA muß man in Brasilien von Übersee kommend zuerst durch die Immigration und dann sein Gepäck abholen, bevor man via Inlandsflug weiterreisen kann. Der Anschlussflug nach Curitiba in einem nagelneuen A321 ist dann sehr kurzweilig. Noch in der Gepäckshalle des Flughafens buche ich bei der "Safer Taxi" Agentur eine Fahrt zum Hotel im Zentrum (EUR 14). Die Zahlung mit der österreichischen Debit Card funktioniert auf Anhieb reibungslos, wie auch in der folgenden Zeit. Man muß einzig darauf achten, dass man vor Abreise die Regionalsperre der Karte für Südamerika im Online-Banking aufhebt und dass man jedesmal bei Bezahlung "Credit Card" angibt. Die Agentin von "Safer Taxi" nimmt sich Zeit für mich und wartet geduldig mit mir auf die Reisetasche beim Gepäckband, um mich dann noch vor das Terminal zu begleiten und um auch ja den richtigen Taxifahrer zu identifizieren, der mich die 20 km in die Stadt bringen wird.
Bald nach dem Hotel Check-in zu Mittag begebe ich mich auf meinen ersten Erkundungsgang durch die 1,9 Mio Einwohner zählende und damit achtgrößte Stadt Brasiliens. Curitiba hat sich bereits ab 1970 konsequent einer ökologischen Stadtentwicklung verschrieben. Vor allem der Anteil an Grünflächen im gesamten Stadtgebiet (ca. 54 qm pro Einw. ist weltweit ein Spitzenwert), sowie der Ausbau des öffentlichen Verkehrs mittels vierachsigen Doppelgelenkbussen, die ganzstädtisch eigene Busfahrspuren zur Verfügung haben, hat zu einem eindrucksvoll niedrigen (Auto-)Verkehrsaufkommen geführt. Praktisch gibt es keine nennenswerten Verkehrsstaus in der Stadt. In den folgenden fünf Tagen hatte ich tatsächlich keine Verkehrsbehinderungen zu Gesicht bekommen, mit Ausnahme jener geringer am Sonntag, die durch die weitläufige Marathon-Streckenführung unvermeidbar waren. Die gerne zitierte Klassierung Curitibas als "Green City" wurde auch schon früh von der UNO dementsprechend bestätigt. Heute konzentriert sich die auf fast 1.000 m ü. d. M. liegenden Großstadt Paranas auch noch zusätzlich auf die freie und breite Vermittlung von Wissen und Bildung durch das Projekt "Farois do Saber" (Leuchttürme des Wissens), das den freien Zugang zu Wissen v.a. in Bibliotheken (auch digital) als Schwerpunkt setzt.
Mein erster Weg am ersten Tag führt mich demnach auch zu so einem Leuchtturm, nämlich dem Museu Oscar Niemeyer (MON), welches ich zu Fuß ansteuere. Das Museum selbst wurde vom Meisterarchitekten als einer seiner letzten grossen Bauten in Brasilien 1967 errichtet und beherbergt nicht nur permanente und ändernde Kunstausstellungen, sondern ist vor allem auch selbst Zeugnis des unerreicht grossen Schaffens Oscar Niemeyers in Brasilien. In einer Woche werde ich dann auf meiner letzten Station meiner Reise das Hauptwerk des "ewig modernen" Architekten in der Hauptstadt Brasila bestaunen können. Hier im MON befindet sich auch eine umfassende Bibliothek über das Schaffen Niemeyers, welche man beim Rundgang durch den futuristisch anmutenden Bau passiert.
Ab dem nächsten Tag wird hier auch die Ausgabe der Startnummern für die Läufe als auch die Marathonmesse stattfinden. Auch am Folgetag komme ich wieder zu Fuß hierher und kann meine bib# ohne jegliche Wartezeit in Empfang nehmen. Dafür hätte ich gar nicht das VIP-Set kaufen müssen, aber das Paket war insgesamt allemal das Geld Wert (Gesamtpreis EUR 75 inklusive T-Shirt, Regenjacke, Schirmkappe und einiger VIP-Services, wie eben ein eigener Ausgabereich für die Startnummer).
Die beiden folgenden Tage verbringe ich ebenso hauptsächlich mit Sight-Seeing per pedes. Es gibt zwar auch relativ neu wirkende e-Bike Stationen in der Stadt, aber irgendwie sieht man doch (noch) nicht viele Leute damit unterwegs. Ich schlendere also weiter gemütlich durch großzügige Parks, Fußgängerzonen, historische Altstadtviertel, Regierungs-, Geschäfts- und Wohnviertel mit ebenfalls interessanter Architektur, und akkumuliere so in Summe über 55 KM nach Auskunft meiner Sportuhr. Das sollte für den Marathon am Sonntag jedoch kein Problem darstellen; mehr schon der frühe Start, welcher für 05:15 h angesetzt ist.

Sonntag - Marathontag

In der Ausschreibung war zu lesen, dass bedingt durch den frühen Startzeitpunkt und aufgrund der Streckenführung die Anreise zum Start im Regierungsviertel vor dem Palacio de Iguacu und der Praca Nossa Senhora de Salete entweder per Bus (soweit diese an das Areal heranfahren können bei insgesamt 13.000 Teilnehmer:inne:n) oder mit Taxi bzw. dem U. Fahrdienst empfohlen wird. Dafür gibt es einen geregelten Fixpreis zwischen 03:00 bis 06:00 h innerhalb der Stadt von R$ 30 (EUR 5). Ich entscheide mich dafür, die 2.7 KM vom Hotel zum Start zu Fuß zu gehen, da ich nicht erwarten würde, ein freies Taxi zur fixen Zeit bei so vielen Teilnehmenden verlässlich zu bekommen. Der Frühstart scheucht mich bereits um 03:30h aus den Federn. Als Frühstück im Hotelzimmer müssen zwei Proteinriegel mit Tee genügen. Um 04:15 mache ich mich noch im Finsteren auf den Weg und erreiche eine halbe Stunde vor dem Start das bereits stark frequentierte Marathonareal. Das mit der VIP-Kit-Anmeldung inkludierte Privileg, im ersten Startsektor, gleich nach den zwei Handvoll Eliteläufer:inne:n starten zu können, erlebe ich als äußerst leiwand. Die Atmosphäre schaukelt sich zunehmend auf und es beginnt auch schon zu dämmern. Flugs wird vom Lautsprecher unter Beteiligung aller von 10 heruntergezählt und schon sind wir unterwegs. Noch nie bin ich bei einer Marathon Grossveranstaltung innerhalb der ersten acht Sekunden über der Timing-Mappe gewesen. Das Tempo der ersten Kilometer um die 5':00 ist für mich auch recht ordentlich, um nicht zu sagen leichtsinnig. Die Elite vorne (und mit mir dahinter) wegzischen zu sehen ist höchst eindrucksvoll. Gleich danach erzeugen die Läufer der nachkommenden schnellen Startblocks einen rechten Sog nach vorne. In weiterer Folge überholen mich dann aber gefühlte zweitausend Läufer aus dem Hauptfeld, wobei ich hingegen vermutlich (noch) niemanden überholen konnte auf den ersten fünfzehn Kilometern.
Die Strecke führt im ersten Teil gleich Mal rein Richtung Centro Historico de Curitiba, weiter durch mondäne Wohngegenden und dann immer mehr stadtauswärts, rechts entlang der wichtigen Avenida Rep. Argentina und anschließenden Avenida W. Churchill. Cirka bei KM 14 dann eine Wende und es geht nun links der beiden Hauptstrassen wieder retour stadteinwärts in den Stadtteil Aqua Verde. Teilweise gibt es kleine Anstiege und am Ende werde ich fast an die 400 Höhenmeter auf der Uhr haben. Wir erreichen die Halbmarathonmarke und ich habe länger einiges an Tempo rausgenommen. Es ist (noch) nicht sonderlich heiß, aber 22 Grad in suptropischem Seeklima fühlen sich für uns Mitteleuropäer trotzdem anders an. Die Luftfeuchtigkeit treibt ordentlich den Schweiß und ich bin froh, dass es fast alle drei Kilometer eine Wasserstation gibt. Es werden kleine, verschlossene Becher mit Wasser gereicht, die in riesigen Bottichen voll mit Eiswürfel (!) schwimmen. Dementsprechend eisig ist auch die Flüssigkeitszufuhr. In 02:16 bin ich bei den 21 KM vorbei und die Marathonstrecke biegt wieder stark stadtauswärts weg, diesmal Richtung Bosque Reinhard Maack, den wir aber nicht erreichen. Schon vorher wird eine Schleife gelaufen, die uns wieder zurück führt über den Impulso Park und die Katholische Universität, ca. bei KM 30. Plötzlich bekomme ich erhebliche Magenbeschwerden und muß auf den folgenden fünf Kilometern immer wieder Gehpausen einlegen, was sehr sehr ärgerlich ist. Letztlich wird mich das auch eine Sub-5-h-Zeit kosten, aber momentan bin ich vor allem damit beschäftigt, rauszufinden, was gerade schief läuft. Zum Glück hatte ich eine kleine Trinkflasche mit isotonischem Getränk im Laufgürtel mitgenommen, was mir jetzt spontan hilft. Insgesamt waren vier Stationen mit Iso-Getränken vorgesehen, aber anfangs dürfte ich diese - zum jetzigen Nachteil - nicht genutzt haben. Die Strecke wird jetzt wieder attraktiv und wir erreichen bei ca. KM 35 den Botanischen Garten, wo es nach einer Kehre direkt retour ins Regierungsviertel geht. Meine Beschwerden sind zwar wieder weg, aber mein Pace ist nicht mehr das, was er sein sollte. Die letzten drei Kilometer im mondänen Stadtviertel Centro Civico geben mir allerdings nochmals Auftrieb und ich überquere mit 05:06:40 die Ziellinie (23. AK 65-69). Mein erster Marathon in Brasilien und auch mein erstes Mal in Südamerika ist geschafft! Was für ein Erlebnis. Die Finisher-Medaille ist von besonderer Eleganz: aus Metall, aber farblich fast ganz in schwarz gehalten, mit dem Konterfei eines Raubvogels und der Inschrift Maratona de Curitiba in weiß. Jetzt kann ich die nächste Stunde noch bei schönstem Wetter im VIP-Bereich des Zielgeländes genießen und die Erfahrung in Ruhe ausklingen lassen, während am Rande noch die Siegerehrungen von statten gehen.

Ausklang vor Ort

Wieder wandere ich zu Fuß von der Veranstaltung zurück zum Hotel. Auch wenn ich grundsätzlich ganz gut mit wenig Fleisch auskomme, genieße ich an diesem Abend ein saftiges brasilianisches Steak in einer der zahlreichen Restaurants mit Fokus auf erstklassigem Rindfleisch. Schon für den nächsten Vormittag habe ich meine Abreise per Interstate-Autobus ins schöne Florianopolis (SC) geplant.

Fazit

Der Curitiba Marathon ist eine sehr gut organisierte Laufgroßveranstaltung. Als City Marathon ausgelegt wird selbstverständlich nur auf Asphaltstrassen gelaufen, wenn auch der Kurs im ersteren Teil etwas wellig ausgelegt ist. Strassensperren werden gut eingehalten und es sind überall Verkehrsregler im Einsatz. Der frühe Start hat seine Vor- aber auch Nachteile. Als Teilnehmer:in aus Mitteleuropa hilft dabei aber die Zeitverschiebung von -4 h gegenüber MEZ. Die Startgebühr ist der lokalen Kaufkraft angepasst und daher günstig für die meisten Europäer. Man sollte bei Anmeldung unbedingt das VIP-Paket in Betracht ziehen, die Vorteile sind offensichtlich. Die Medaille ist einzigartig und wirklich sehr herzeigbar.
Die Kursführung ist im ersten und letzten Viertel interessant und führt durch sehenswerte Stadtteile. Der Mittelteil der Strecke ist, wie oft bei Point-to-Point Auslegungen etwas weniger attraktiv und führt teilweise durch eher industrielle Bereiche und aussen vorbei am lokalen Stadion.
Wer das erste Mal in Brasilien einen Marathon laufen möchte hat grundsätzlich eine riesige Auswahl an Veranstaltungen. Im Frühjahr oder Herbst auf der Südhalbkugel finden sich die meisten Optionen. Eine gute Übersicht gibt etwa die Website //Roadrunners.run/maratonas/ .Der Süden Brasiliens hat als Reisedestination seinen eigenen Reiz (übrigens, 40% der Bevölkerung von Parana, Santa Catarina und Rio Grande do Sul sind deutschprachiger Abstammung von Einwanderern aus Deutschland, Österreich, Schweiz) und der Curitiba Marathon kann dabei gut als eine Station auf der "Südroute" eingebaut werden. Als kleines Special für Vielläufer:innen sei darauf hingewiesen, dass eine Woche nach dem Curitiba Termin auch der Hauptstadtmarathon stattfindet.

Teilnehmer:innen und Sieger:innenzeiten

Frauen:
1. Valdilene Dos Santos Silva, BRA, 02:41:27
2. Naum Jepchirchir, KEN, 02:42:12
3. Amanda Aparecida De Oliveira, BRA 02:43:19

∑ 641 Finisher ♀

Männer:
1. Ederson Vilela Pereira, BRA, 02:18:02
2. Kiprotich Kirui, KEN, 02:19:03
3. Altobeli Silva, BRA, 02:22:34

∑ 2232 Finisher ♂

∑∑ insgesamt 2873 Finisher

www.chiptiming.com.br 

www.maratonadecuritiba.com.br 


Fotos vom Autor (© W.Kroer):

Marathon:

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Stadt::

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2024-10-26  O3OlympusMan Marathon Plus (CYP)

47km Trailrunning in über 1.700 m ü.d.M. auf der östlichsten Mittelmeerinsel

(Laufbericht von Werner Kroer)

Denkt man an die Kombination Zypern + Laufen, kommen einem normalerweise die vier bekannten Städtemarathons in Paphos und Limassol (beide im März), sowie Larnaka (November) und Nikosia (Dezember) in den Sinn. Für „Ländersammler:innen“ bilden sie üblicherweise die Auswahl, einen Marathon auf Zypern ins Logbuch zu bekommen.

Darüber hinaus lässt sich aber auch erkennen, dass die Trail Running-Szene auf Zypern in den letzten paar Jahren starke Lebenszeichen von sich geben konnte. Als markantestes Beispiel kann der im höchsten Gebirge des Landes, dem Troodos Mountains nördlich von Limassol seit längerem ausgetragene und "höchst" interessante 22-KM Olympus Trail Lauf herangezogen werden, der fast ausschlieβlich über 1.700 m ü.d.M. stattfindet und einen spektakulären Zieleinlauf am höchsten Punkt der Insel, dem Mount Olympus auf 1.952m hat (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Berg und auch Marathon in Griechenland).

Seit letztem Jahr wurden diesem "Klassiker" zwei weitere Ultraläufe hinzugefügt: Der schwierigere OlympusMan Marathon Plus mit 47 KM und ca. +/-1.600 Höhenmetern und der noch extremere OlympusMan Ultra-Marathon mit 72 KM und ca.+/- 2.400 Höhenmetern. Letzterer konnte am vergangenen Wochenende (26.10.2024) bei seiner zweiten Durchführung eine Finisherquote von gerade mal 50% verzeichnen (9 von 18 Starter:inne:n), während der OlympusMan Marathon Plus 47K immerhin 24 erfolgreiche Zieleinläufe (bei 3 DNF) aufweisen konnte. Umso glücklicher war ich deshalb, die Herausforderung als ältester Teilnehmer in einer Zeit von 07:53:52 gemeistert zu haben.

Vorüberlegungen zu meiner Teilnahme am 47-KM-Trail

Zypern kenne ich zu einem gewissen Grad schon relativ lange. 1980 war ich als UNO-Soldat beim österreichischen Kontingent des UNFICYP Bataillons ein halbes Jahr im Osten der Insel stationiert. Sechs Jahre nach der türkischen Invasion in den Nordteil der Insel war das an der Ostküste gelegene Famagusta bereits eine verlassene Geisterstadt jenseits der Demarkationslinie, wo die UNO-Truppe aus Österreich ihr Hauptquartier bezogen hatte. Neben Wachdiensten entlang der östlichen Pufferzone waren wir zu jener Zeit auch für Versorgungsfahrten auf die ganz nordöstlich gelegene Karpaz-Halbinsel zuständig. Dies und andere Exkursionen ins Landesinnere hinterließen bei mir bereits damals einen bleibenden Eindruck des Landes, insbesondere aber die landschaftliche Schönheit im Frühling war stellenweise sehr beeindruckend: blühende Zitronenbäume und wild wachsende Oleanderbäume verliehen ganzen Arealen ein buntes Kleid. Als willkommene Überraschung entpuppte sich zu Beginn meiner Mission als UNO-Soldat auf Zypern, sozusagen noch im mediterranen Winter, eine einmalige Dienstfahrt ins Troodos-Gebirge, wo wir verschiedene Ausrüstung zu testen hatten und unter anderem auch ein paar Schwünge auf Skiern am Mount Olympus in den halbwegs akkumulierten Schnee setzen konnten. Der Zeus Skilift mit 380 m Länge existiert als einziger seiner Art seit damals am Troodos (drei weitere kleine gibt es heute noch zusätzlich). Während sich die Talstation, auch Heimstätte des Cyprus Skiclubs, noch in der Provinz Nikosia befindet, ist man beim Ausstieg auf dem Berggipfel bereits im Bezirk Limassol.
Seit 1980 ist nun viel Wasser den Troodos runtergeflossen. Obwohl geografisch bereits in Asien wurde die Insel Zypern 2004 als de facto geteiltes Land Mitglied der EU. Der Nordteil, die Türkische Republik Nordzypern, wird bis heute allein nur von der Türkei als Staat anerkannt. Die Grenze führt quer durch die Hauptstadt Nikosia und ist heute für Touristen geöffnet. Ich war in den vergangenen Jahren mehrfach in Zypern auf Urlaub. 2021 hatte ich außerdem den Larnaka Marathon im Osten der Insel absolviert. Das westlich gelegene Paphos als touristischer Hotspot und die etwas westlich gelegene, aber ruhige und verträumte Bucht von Pissouri waren wiederholt Ankerpunkte für eine erholsame Frühlings- oder Herbsturlaubswoche. Diesmal war es nicht anders: eine Woche Herbstferien im Westteil der Insel, noch dazu mit der Möglichkeit am Ende der Woche an einem Ultratrail in den Bergen teilzunehmen, war eine überzeugende Option.  

Samstag – Race Day

Die Anfahrt zum Troodos Gebirge ist über etliche Strassen möglich, abhängig von wo her an der Küste man kommt. In der Regel ist das Leihauto dafür unumgänglich und man sollte so mit knapp 1 ½ Stunden Anfahrtszeit rechnen. Ich fahre bereits um 05:20h früh vom Hotel in Geriskopiou weg um noch genügend Zeit vor dem offiziellen Start des 47-KM-Bewerbs um 07:45h früh zu haben. Zur Anfahrt nehme ich zuerst die Autobahn A6 nach Osten bis zur Abfahrt nach Avdimou und dann die E601 nach Norden über Omodos und Mandria ins bereits hochgelegene Pano Platres, der letzte Ort in den Bergen mit nennenswerter Bevölkerung. Von da sind es nur noch 15 Minuten über die B8 zum Troodos Square auf 1.925 m ü.d.M., wo der Start der drei verschiedenen Bewerbe sein wird. Für die OlympusMan Marathon+ Teilnehmer:innen ist die Startnummernausgabe im historischen Troodos Hotel am Samstag vor dem Rennen vorgesehen, während die Ultraläufer des 72-KM-Bewerbes ihre Startberechtigung inklusive Race-Briefing bereits am Vorabend erhalten müssen. Dies macht auch Sinn, da der frühe Start des Ultrabewerbes bereits um 05:00h früh anberaumt ist. Als ich am Troodos Square eine gute Stunde vor Start eintreffe, sind die 18 Ultratrailläufer:innen bereits auf der Strecke. Von den Gemeldeten für den OlympusMan Marathon+ (47K) finden sich nach und nach alle 27 Starter:innen im Troodos Hotel ein. Das Organisationsteam, welches großteils von Mitarbeiter:inne:n von Activate Cyprus, dem mit jährlich 67 Bewerben grössten Veranstalter von Läufen, Triathlons und Bike-Events in Zypern (activatecyprus.com), gestellt wird, hat bereits alles bestens für die Startnummernausgabe vorbereitet. Es gibt keine Wartezeit. Zusätzlich zur Starnummer erhalte ich auch einen Goodie-Bag mit Laufshirt, flexiblem Trinkbecher, Rettungsfolie, Gel, einem Stifterl Rotwein und die Notfallnummern der Kontaktpersonen, ganz nett und robust in Laminierfolie eingebracht. Manchmal sind es die kleinen Details, an denen man wirklich herzhafte und professionelle Organisation erkennt. Ich nutze auch die Möglichkeit, hier einen Kleidersack deponieren zu können, welcher dann zum endgültigen Ziel, dem Mt. Olympus (1.952 m), befördert wird.  Das flackernde Kaminfeuer in der grossen Lobby des Hotels erinnert mich an alpine Berghütten in unseren Breiten.
Bald sind auch die letzten Starter:innen eingetroffen und wir begeben uns alle vors Hotel, wo ein Startbogen aufgebaut wurde. Der Race Director gibt noch kurze Anweisungen bezüglich der Trail-Markierungen. Nebenbei erwähnt er, dass es aber auch ratsam ist, immer wieder die eigene Position während des Laufes mit der auf die Laufuhr geladenen gpx-Datei zu vergleichen, insbesondere im ersten Teil, wo die Strecke nicht immer klar definierten Trails folgen wird. Dieser Hinweis beunruhigt mich etwas, da ich die gpx-Datei nur auf eine Handy-App geladen habe und ich nicht weiss, wie gut das bei Bedarf funktionieren wird. Wie sich später herausstellt, werde ich das Handy diesbezüglich gar nicht beanspruchen, jedoch werde ich drei Mal die richtige Abzweigung der Strecke suchen müssen, was mich insgesamt einige Minuten an Zeit gekostet haben wird.

Plangemäß wird das Startsignal um 07:45h für unseren Bewerb gegeben und 26 Männer und eine Frau laufen nach nur 100 m auf der Straße bereits direkt ins Gelände hinein. Es ist den roten Plastik-Markierungspunkten zu folgen, die auf Bäumen, Sträuchern, Felsen oder am Weg angebracht sind. Ich kann mir nicht ganz vorstellen, wie die Ultraläufer, welche bereits um 5h Früh ins Gelände gelassen wurden, selbst mit Stirnlampe hier die Orientierung finden können. Die genaue Routenführung auf der Laufuhr ist dabei wohl unumgänglich. Zum Glück kommt bei uns jetzt bereits die Sonne raus und die Lichtverhältnisse sind sehr gut. Es ist wieder ein traumhafter mediterraner Spätsommertag mit angenehmen Temperaturen von anfangs 7° C welche bald bis auf 18° steigen werden.

Das Anfangstempo ist hoch und macht mir zu schaffen. Wir befinden uns auf über 1.700 m  ü.d.M. und man spürt bereits den leicht reduzierten Sauerstoffgehalt in der Luft. Die ersten Kilometer sind sehr hart, nicht nur wegen der Höhe, sondern auch weil die vorgesehene Trail Strecke gewissermaßen von einem Canyon zum anderen übersetzt und bei diesen Querungen unwegsames Terrain überwunden werden muss. Darauf wird auch in der Ausschreibung hingewiesen. Ein Stück dieser ersten Kilometer klettern wir quasi auf allen Vieren über eine Geröllhalde hinauf, um wieder auf einen weiteren Trail zu stoßen. Zum Glück geht es aber bald leicht bergab, was das Durchqueren von lichten Gras- und Baumzonen etwas leichter macht. Dennoch geht die Abwärtspassage, wenn auch bald wieder auf besser befestigten Trails nicht einfach von statten. Vorsicht ist geboten bei den vielen Steinen auf den Trails. Bereits in der ersten Stunde sehe ich einige Läufer vor oder hinter mir stürzen. Zum Glück ohne ernsthafte Verletzungen.

Meiner Erfahrung nach gibt es bei Trail- bzw. Bergmarathons etwa vier Grundtypen der Streckenführung: a) die relativ einfachste Strecke startet im Tal und führt im ersten Teil stetig aufwärts, um dann wieder mehr oder weniger konstant zurück ins Tal zu führen (z.B.: Montafon-Arlberg Marathon); b) etwas schwieriger wird das ganze bereits, wenn die erste Hälfte des Marathons / Ultras eher moderat hügelig dahingeht, um dann in der zweiten Hälfte so richtig auf die höchste Stelle zu führen (z.B.: Stanzer Trail); c) sehr anstrengend sind sodann Streckenverläufe, die vom Tal an unentwegt nach oben führen um dann das Ziel am Berg zu haben (z.B. Zermatt Marathon); und d) die m. M. nach herausforderndsten Routen sind jene, die am Berg starten, dann die Läufer ganz ins Tal jagen, nur um dann die Strecke wieder raufführen zu lassen (und dies ev. mit Wiederholung). Der OlympusMan Marathon zählt zu letzter Kategorie.

Die erste von zwei Schleifen hat eine Distanz von 25 km, wobei wir nun ab KM 6 sehr steil bergab laufen werden. 850 Höhenmeter verlieren wir nun in kurzer Distanz bis ca. KM 13, nur um dann sogleich wieder auf anderen Pfaden hinauf Richtung Ausgangspunkt geführt zu werden. Nach der erreichten Talsohle kommt bald die erste Labestelle bei Kannoures – Agios Nikolaos tis Stegis, was mir neue Energie für den weiteren Anstieg verschafft. Das Aufwärtsklettern entlang einem der wenigen Flüsse Zyperns, die auch im Sommer Wasser führen, gestaltet sich abschnittsweise schwieriger als gedacht. Immer wieder lande ich im Bachbett selbst und verliere für einen Moment den mal links und dann wieder rechts vom Fluss berganführenden Trail. Endliche erreiche ich fast wieder Ausgangshöhe und der Trail führt nun nur mehr leicht ansteigend zum zweiten Checkpoint und der Labestelle beim Troodos Square. Ich befinde mich noch gut innerhalb des Zeitlimits, wenngleich auch die Zeitreserve nicht allzu groß ist. Es geht jetzt in die zweite große Schleife in der wir uns nur mehr zwischen 1.700 und 1.900 m ü.d.M. bewegen werden. Der Trail ist nun klar ausgeprägt, wenngleich auch an vielen Stellen mit sehr großen Steinen gespickt, was nach wie vor zur Vorsicht mahnt. Ich stolpere mehrfach, auch wegen der aufkommenden Müdigkeit, kann aber Stürze vermeiden. Ca. bei KM 33 bekomme ich einen merkbaren Einbruch, wohl aufgrund von Unterzuckerung. Ich hatte zwar immerhin schon einen ganzen Proteinriegel und ein Gel zu mir genommen, dennoch fühle ich mich plötzlich kraftlos. Die Sonne scheint nun auch sehr intensiv auf die teilweise schattenlosen Streckenabschnitte und ich sehne die nächste Labestelle herbei. Endlich bei KM 38 kann ich mich mit ersehnten Zitrusfrüchten und isotonischem Getränk stärken. Sogleich geht es wieder signifikant besser und mich streift bald ein erster Hauch von Euphorie angesichts des nun möglichen erfolgreichen Finishes. Bald überholen mich nun bereits die schnellsten Läufer der 22-KM Unterdistanz, welche zu Mittag ebenfalls vom Troodos Square auf die Piste geschickt wurden. Zirka eine Handvoll der über 70 Gestarteten wird mich auf meinen letzten Kilometern noch überholen, aber ich empfinde es als willkommene Abwechslung und Ansporn. Der eine oder andere feuert mich auch noch aktiv an, und letztlich spricht einer aus, was man nach mehr als sieben Stunden Traillaufen gerne hört: „The end is in sight!“. Ich mache mich mental nochmals bereit für die letzten ca. 100 Höhenmeter Anstieg von der Talstation des Skilifts hinauf auf den Gipfel des Troodos Gebirges, den Mt. Olympus auf 1.952 m Seehöhe. Euphorisch laufe ich unter lauten Anfeuerungsparolen des Platzsprechers durch den Zielbogen. Dieser Traillauf hat mir ziemlich viel abverlangt und daher bin ich glücklich und stolz, es am Ende ohne ein nennenswertes Problem (als ältester, aber nicht langsamster Teilnehmer) geschafft zu haben: ab heute darf ich mich nun auch „OlympusMan“ nennen.

Nach verdienter Labung im Ziel führt uns ein Bus zurück zum Troodos Square, wo ich mein Leihauto auf den ausreichend großen Parkplatz parkiert habe und beginne gleich die Rückfahrt ins Hotel am Meer. An der gewiss schönen Siegerehrung um 18:00h Ortszeit im Troodos Hotel habe ich nicht mehr teilgenommen, aber vielleicht zieht es mich nochmals zu dieser Veranstaltung und dann kann ich dies ja auch noch nachholen.

Fazit

Der O3OlympusMan Marathon Plus (47 KM) ist ein äußerst attraktiver, aber sehr schwieriger Trailmarathon in einem einzigartigen mediterranem Umfeld. Die Strecke besteht aus zwei grundverschiedenen Schleifen, wobei die erste mit 25 KM auch die meisten +/- Höhenmeter aufweist. Bei der zweiten 22-KM-Schleife bewegt man sich ausschließlich über 1.700 m ü.d.M. Dabei sollte man bedenken, dass lang andauernde Anstrengung ab dieser Höhe durch den etwas reduzierten Sauerstoffgehalt der Luft bereits stärker spürbar wird als weiter unten im Tal. Die Labestellen sind typischerweise, wie bei den meisten Ultratrails, v.a. im ersten Loop weit auseinander (nur eine ca. bei KM 14). Dementsprechend viel Flüssigkeit sollte man im Laufrucksack mitführen. Zur Orientierung muss eindrücklich empfohlen werden, den gpx Routenfile auf die Laufuhr zu synchronisieren und mit der Guidance-Funktion der Uhr den ersten Teil zu laufen. Auf der zweiten Schleife ist dies nicht mehr unbedingt erforderlich. Es versteht sich von selbst, dass gute Trailschuhe ein Muss sind. Wer ernsthaft überlegt, die 72 KM-Ultra-Variante zu laufen, sollte sich vorab eingehend mit der Routenführung auseinandersetzen. Laufen in unwegsamen Gelände im Finsteren ist keine Kleinigkeit!

Wie bereits erwähnt, gehen die Organisatoren sehr engagiert und beherzt an die Veranstaltung heran. International haben sie deshalb auch bereits bei der 2. Durchführung eine ITRA (Int. Trail Running Association) Akkreditierung erreicht. Für den OlympusMan gibt es daher dementsprechend 2 (47K) bzw. 3 (72K) ITRA-Punkte.

Die Finisher-Medaille ist der einzige Punkt, den ich sofort verbessern würde. Die verwerfliche Holzspanplatten-Medaille erscheint nicht ganz adäquat als Belohnung für die abverlangte Anstrengung. Das inkludierte T-Shirt ist jedoch attraktiv, weitere sinnvolle Goodies sind ebenfalls im Starterpaket enthalten.

Die Öffentlichkeitsarbeit des Laufes ist einwandfrei über eine mehrsprachige Website und Social Media Präsenz abgedeckt. Gratis Lauffotos von den verschiedenen Bewerben und von den meisten Marathon Finishern sind kostenlos über Google Drive zugänglich gemacht.

 Teilnehmer:innen und Siegerzeiten OlympusMan Trail Marathon Plus (47K)

Frauen:

  1. Irina Masanova, RUS 06:19:07

∑ 1 Finisherin ♀

Männer:

  1. Ivan Kriuchin, RUS 05:28:17
  2. Maksim Petrov, CYP 05:28:59
  3. Pambos Kalathas, CYP 05:46:33

∑ 23 Finisher, 3 DNF ♂

∑ 9 Nationen

https://www.activatecyprus.com/o3-olympusman-trail-run

Fotos vom Veranstalter:
https://drive.google.com/drive/folders/1_w8DJm7M-8TE0A-6T1S973xqtu6V7Nma


Fotos vom Autor (© W.Kroer):

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2024-09-29  Chișinău Marathon (MDA)

Einzigartige Atmosphäre in der moldawischen Hauptstadt

(Laufbericht von Werner Kroer)

Vorüberlegungen

Ab und zu mal einen Marathon in einem neuen Land zu absolvieren hat einen besonderen Reiz; umso mehr noch, wenn man in diesem Land vorher noch nie gewesen ist und man die Reise auch als Erkundungsexpedition ins Innere einer wenig bekannten Nation erweitern kann. Moldova / Moldau (Moldawien), als Republik Moldau eigenständiger Staat seit 1991, war durch seine geopolitische Lage am Rande des Russland-Ukraine-Krieges in den letzten Jahren immer wieder in die Aufmerksamkeit der Weltnachrichten gelangt. Einerseits wegen seines eigenen territorialen Konflikts über das (autonome) Gebiet von Transnistrien entlang der Ostgrenze des Staates und zum anderen im Kontext des Russland-Ukraine-Krieges (ist doch der Staat bis zu ¾ von der Ukraine umgeben) kam und kommt es immer wieder zu Irritationen und Unbehagen bezüglich seiner Autonomie. In Folge hatte die Europäische Union im Juni 2022 Moldau auch als EU-Beitrittskandidaten proklamiert.
In diesem Zusammenhang hat sich mir also das Land irgendwie aus Neugierde als Laufreise-Ziel „aufgedrängt“.
Bei der Recherche nach Marathon-Veranstaltungen in Moldau stößt man unweigerlich auf genau einen bekannten Marathon im ganzen Lande – den Chişinău Big Hearts Marathon (früher Chişinău International Marathon genannt) in der Hauptstadt Moldaus. Die Website der Veranstaltung, welche auch in Englisch unterhalten wird, verweist bei der Anmeldung auf die verschiedenen Streckenoptionen, welche von 5km bis zum Marathon reichen. 2024 feiert dieser Marathon bereits sein 10. Jubiläum, was ein Grund mehr ist, diesmal die Reise zu wagen. Die Online-Anmeldung ist einfach und gemäss Anmeldelisten ist am letzten Sonntag im September d.J. mit über 4.000 Teilnehmer:inne:n (alle Bewerbe) zu rechnen.

Anreise am Vortag und erster Eindruck

Die moldawische Hauptstadt ist effektiv von Österreich aus nur per Flugzeug, dafür aber mit der heimischen Airline sogar direkt in etwas mehr als 1 ½ Stunden erreichbar. Über ein Reiseportal hatte ich ein Zimmer in einem Boutique-Hotel gebucht, acht Gehminuten zum Stadtzentrum mit dem Triumphbogen, wovor sich am Sonntag auch Start und Ziel der Laufbewerbe befinden werden. Die Anreise am Samstagmorgen gestaltet sich problemlos, wenngleich auch der Flieger fast gänzlich ausgebucht ist. Während der kurzen Flugreise beschäftigt mich nochmals die Frage, was mich wohl erwartet in einem Land, welches mit nur 2,5 Mio Einwohner:inne:n (davon 530T in der Hauptstadt) und 40% der Fläche Österreichs gerade mal <7% unserer Wirtschaftsleistung (BIP kaufkraftbereinigt) zur Verfügung hat – aber eines sei hier gleich vorweggenommen: überraschenderweise sehr viel Positives, inklusive der hervorragenden Durchführung eines äußerst stimmungsvollen Hauptstadt-Marathons.

Mit plus einer Stunde Zeitunterschied landen wir pünktlich nach Mittag in Chişinău, wo auch schon mein vom Hotel arrangierter Flughafentransfer wartet (€ 25; mit lokalen Taxis um mehr als die Hälfte günstiger zu haben). Knapp 40 Minuten später kann ich bereits im schicken kleinen Hotel Thomas Albert einchecken und eine weitere halbe Stunde später mache ich mich bereits zu Fuß auf dem Weg zum Start-Ziel-Bereich, wo auch die gesamte Anmeldung und Startnummernausgabe abgewickelt wird.

Das Areal vor dem Triumphbogen und direkt am breiten Boulevard Stefan cel Mare si Sfint ist sehr groß und bietet daher den Organisatoren des Bewerbs und allen Sponsoren und Ausstellern ausreichend Platz. Dahinter befindet sich das imposante Regierungsgebäude der Republik Moldau (nicht zu verwechseln mit dem Parlament). Meine Startnummer (#338) für das Chip-Timing bekomme ich praktisch ohne Wartezeit sofort ausgehändigt und das inkludierte T-Shirt in leuchtendem Rot-Gelb passt auch sehr gut. Obwohl bereits die letzten Vorbereitungen für die noch an diesem Abend beginnenden Vortages-Kinderläufe bei vielen Eltern und Kindern zu bemerken sind, gibt es keinerlei Gedränge oder Hektik. Die Stimmung ist sehr ausgelassen und entspannt, während der Moderator auf der Hauptbühne die verschiedensten Zielgruppen nacheinander begrüßt. 55 Nationen haben gemeldet und man wird nochmals herzlich willkommen geheißen als vom Ausland Angereister. Die Bitte wird ebenfalls wiederholt, die Veranstaltung auch in Zukunft nach außen zu tragen, weil man weiter die gesamte Welt als Gast in Chişinău begrüßen möchte. Das ist schon mal eine gute Ansage! Ich schlendere noch ein paar Mal am Areal auf und ab und starte anschließend eine erste Stadterkundung. Die auf einem Transparent ausgeschilderte Marathonstrecke von einer vier Mal zu bewältigenden 10,5 Kilometer Strecke beginne ich in Richtung Osten entlang dem Boulevard Stefan cel Mare si Sfint zu gehen. Dies ist sehr einfach, da die gesamte Laufstrecke quasi in eine Richtung mit nur einem Richtungswechsel bei der Strada Ciuflea auf den Bulevardul Dacia verläuft. Dort befindet sich noch vor 5 km schon der Wendepunkt für den Bewerb. Soweit gehe ich am Nachmittag allerdings nicht mehr, sondern kehre über mehr abseits gelegene Strassen und Parks wieder retour Richtung Zentrum zurück. Viele Nebenstrassen zeichnen sich durch intakten Baumbestand aus. Am meisten prägen Platanenalleen das Straßenbild abseits der Hauptverkehrsadern. Viele Häuser sind schon sehr alt und schlecht gewartet, einige dem Verfall preisgegeben. Dazwischen findet man Renovierungs- bzw. Erneuerungsbautätigkeiten, vornehmlich an offiziellen Gebäuden der Stadt, von welchem die wichtigsten amtlichen Gebäude naturgemäß in gutem Zustand erscheinen. Einige größere Grünflächen und etliche Parks tragen zum angenehmen Stadtambiente bei. Im Hintergrund schimmert jedoch noch immer die Plattenbau-Ästhetik der Nachkriegsjahre. Positiv auffällig sind die zahlreichen kleinen Cafés und Shops, welche allesamt relativ neu erscheinen und auch viele Gäste und Passanten anziehen. Trotzdem man sich im Zentrum von Chişinău befindet, gibt es nirgendwo Gedränge oder sehr viel Verkehr. Alles erscheint ruhiger und gelassener als bei unseren Großstädten, darüber hinaus sind die Leute sehr freundlich, zuvorkommend und auch äußerst diszipliniert, was die Verkehrsregeln betrifft. Es wäre interessant herauszufinden, wie man es so schafft, daß Autofahrer:innen generell mit Abstand vor jedem Zebrastreifen geduldig stehen bleiben. Als Fußgänger fühlt man sich hier angenehm sicher. Auf meinem Stadtrundgang zurück Richtung Hotel kehre ich in einem der neuartigen Restaurants ein, die ein breites Angebot an Speisen und Getränken anbieten. Das Service ist zuvorkommend, die Bestellungen werden rasch ausgeführt, obwohl das Lokal gut besucht ist. Anscheinend hat man hier kein Problem mit Arbeitskräften im Gastgewerbe. Die Zahlung kann fast überall mit Debit-/Credit-Card erfolgen; für die gesamte Reise hatte ich kein Bargeld in moldauischen Leu benötigt.

Sonntag – Race Day

Geradezu gemütlich genieße ich noch um 7 h morgens das Frühstück im Hotel. Die örtliche Nähe zum Laufbewerb erlaubt, daß ich erst um 8:15h das Hotel Richtung Laufstart verlasse. Auf Höhe des Stefan cel Mare si Sfint Parks finden sich bereits hunderte Athleten und Passanten ein, um für letzte Fotos vor Laufbeginn vor dem Stefan c.M.s.S. Monument zu posieren. Der Start ist für 9 h für alle Bewerbe (Rollstuhlfahrer:innen und Skater 5 Min. früher) geplant. Dies wird in Zukunft und bei anhaltend wachsenden Teilnehmerzahlen bald auch in Wellenstarts übergehen müssen. Aus den Lautsprechern der seitlich platzierten Hauptbühne dröhnt jetzt bereits aufputschende Musik. Der Platzsprecher gibt sein bestes, alle nochmals herzlich zu begrüßen und auf den nahenden Start hinzupushen. Exakt um 9 h schießen dann gleichzeitig einige Feuerwerkskörper links und rechts der Startbögen in die Luft und das Startsignal eröffnet die Bewerbe. Der Startkorridor für alle Läufer:innen aller Bewerbe ist mit den Flaggen der teilnehmenden Nationen gesäumt und ergibt eine eindrucksvolle Kulisse im Start-/Zielbereich der Veranstaltung. In nicht mal einer Minute bin ich bereits von hinten vorgerückt und überschreite die elektronische Zeitmessungs-Matte bei gleichzeitigem Auslösen der Aktivitätsaufzeichnung meiner Laufuhr. Und ab geht die Post auf den erst mal ganz leicht abfallenden Boulevard Stefan c.M.s.S. gegen Osten. Vier exakt gleiche Runden sind für den Marathon zu absolvieren, bei denen wir insgesamt kaum erwähnenswerte 264 Höhenmeter akkumulieren werden. Der erste Kilometer fühlt sich schon mal gut an und ich genieße den Lauf im Strom der zahlreichen Mitstreiter:innen. Trotz des Massenstarts und tausender Athlet:inn:en ist noch genügend Platz auf dem breiten Boulevard, der zur Gänze für den Verkehr gesperrt ist. Anfeuerungsrufe von links und rechts tragen ermunternd zur guten Stimmung bei, genauso wie die überraschend zahlreichen Musikdarbietungen auf den Gehsteigen. Wir biegen bereits nach zwei Kilometern nach rechts weg in die Strada Ciuflea, wo wir gleich links das Ciuflea Kloster mit seinen weiß-lichtblauen Gebäuden mit den markanten goldenen Zwiebeltürmen zu Gesicht bekommen. Mir kommt spontan der Gedanke, am nächsten Tag noch vor der Heimreise das Kloster und die Kirche von innen zu besichtigen. Die Strecke führt weiter auf den breiten Dacia Boulevard welcher gleich den untenliegenden Park des Tals der Rosen überbrückt. Bis zum Wendepunkt bei ca. KM 4 steigt die Straße jetzt etwas an. Nach dem Wendebogen mit Zeitmessung ist eine weitere Labestelle eingerichtet. Sie gleicht einem Obstverkaufsstand am Wiener Naschmarkt: unzählige Steigen mit Weintrauben, Ringlotten, Bananen und Orangen Türmen sich hier auf, welche noch bis zur letzten (vierten) Runde genügend Erquickung für die dann verbleibenden 300 Marathonläufer:innen bereitstellen werden. Man bekommt augenblicklich auch eine Ahnung davon, dass der Wein- und Obstanbau in Moldau ein wesentlicher Faktor in der Landwirtschaft ist. Jetzt aber ist hier durch Teilnehmer:innen sämtlicher Laufdistanzen ordentlich was los. Ich lasse die Gelegenheit zur Stärkung aber erst mal aus und freue mich diesbezüglich schon darauf, in den nächsten Runden hier vorbeizukommen. Die relative Herbstwärme des Vortages hat sich am Rennsonntag nicht wiederholt, da anfangs viel Frühnebel und dann abwechselnde Bewölkung die Temperaturen recht erträglich machen. Trotzdem hat der Veranstalter an einigen Stellen Bögen mit feinen Wasserduschen installiert, wo die meisten Läufer:innen auch durchlaufen. Jetzt geht es allgemein auch eine Spur schneller voran, da wir bereits wieder Richtung Start etwas an Höhe verlieren und im Nu komme ich auch schon wieder am Startpunkt vor dem Triumphbogen vorbei. Der Kurs führt jetzt aber noch weiter westwärts, vorbei am Parlament zur Linken und zur Rechten zuerst dem Nationaltheater, dann dem Präsidentenpalast, dann der Verklärungskathedrale Chişinău und noch zur Technischen Universität, wo uns nach KM 7 der nächste 180° Richtungswechsel mit Wendematte wieder zurück zum Start-/Zielbereich schickt.
Damit kann ich auch schon wieder in die zweite Runde starten. Wir befinden uns schon länger wieder ausschließlich auf dem Boulevard Stefan c.M.s.S. und ich genieße den Platz, den man zum Laufen hat, trotz der noch über eintausend Aktiven, die noch über die halbe oder volle Marathondistanz unterwegs sind. So vergeht auch die zweite Runde quasi wie im Fluge, wobei ich mein Kilometer-Tempo in den ersten beiden Runden beständig zwischen 5:20 und 6:00 Minuten halten kann, variierend nur durch die leichten Anstiege. Mit 2h:03‘ bin ich das zweite Mal beim Startbogen durch und die Hälfte habe ich somit bereits hinter mir. Jetzt kommt der i.d.R. für mich zähere Teil, meist nach dem Halbmarathon bis 30 KM. Irgendwie habe ich in all den 22 Jahren meiner „Laufkarriere“ nie ganz gelernt, wie man diesen Abschnitt eines Marathons mental optimal bewältigt. Als kleinen Mentaltrick habe ich mir im Laufe der Zeit zurecht gelegt, mich da bereits schon auf die letzten zehn Kilometer zu freuen und zu fokussieren, die dann eine einfachere und greifbarere Schlussdistanz in einem langen Lauf repräsentieren. So geht also auch die dritte Runde gut über die Bühne und ich kann die angesprochenen letzten zehn Kilometer fast geniessen. Immer wieder werde ich von auf der jeweils anderen Strassenseite entgegenkommenden Marathonis herzlich angefeuert. Das gut sichtbare 100 Marathonclub Austria Emblem auf meinem Laufshirt mag hierzu auch beitragen, aber grundsätzlich fällt auf, daß sich viele Läufer:innen gegenseitig ermuntern, was sonst eher nur bei sehr kleinen familiären Marathons mit wenigen Teilnehmer:inne:n der Fall ist. Die vorletzte Wende in der letzten Runde kommt in Sicht und ich halte nochmals bei der gut bestückten Versorgungsstelle und genieße die Süße von Orangenspalten und einer Pflaume. Die letzten fünf Kilometer liegen noch vor mir und jetzt spüre ich schon die aufkommende Ermüdung, habe Mühe den Pace noch angemessen zu halten. Als ich wieder bei Start-/Ziel vorbeilaufe für die letzte Kehre und die finalen zwei Kilometer kommt dann langsam Freude auf, wieder einen Marathon ganz passabel geschafft zu haben. Mit 04:21:36 Chiptime laufe ich ein letztes Mal über die Matte und nehme mit Stolz die wunderbare Medaille in Goldfarbe zum 10. Jubiläum der Veranstaltung entgegen. In meiner Altersklasse 65-69 reicht es dann doch nur für den 5. Rang, während es in der jüngeren AK60 erstaunlicherweise noch für den zweiten Platz (von 10) gereicht hätte. Es drängt sich einem die Vermutung auf, daß die Läufer in Pension mehr Zeit zum Trainieren aufbringen könnten...

Im Ziel genieße ich ausführlich die erbrachten 42km-Laufleistung und bringe den Flüssigkeitshaushalt sukzessive wieder in Balance. Auf die inkludierte Pasta-Portion verzichte ich ausnahmsweise und begebe mich mit Vorfreude auf eine ausgedehnte Dusche zurück zum nahen Hotel.

Ausklang vor Ort

Das Abendessen in einem der netten Stadtlokale Am Abend nach dem Lauf war natürlich ein hoher Genuss. Das moldawische Bier, ähnlich dem tschechischen, mundete vorzüglich.

Am nächsten Morgen lasse ich mir dann Zeit für ein ausführliches Frühstück und starte anschließend noch auf einen weiteren 10 Kilometer Stadterkundungs-Rundgang, auf dem ich auch das vorerwähnte Mănăstirea Ciuflea zu einer näheren Besichtigung aufsuche.

 Fazit

Der Chişinău Big Hearts Marathon ist ein attraktiver Hauptstadtmarathon in einem zu Unrecht bei uns relativ unbekannten Land. Die Organisatoren und lokalen Teilnehmer haben großes Interesse an internationaler Beteiligung und verhalten sich auch äußerst willkommensfreundlich und einschließend. Die Gelegenheit, eine neue Landeshauptstadt im Zuge einer Marathonreise von der D-A-CH-Region aus näher kennenzulernen, lässt sich hier relativ einfach realisieren. Wer besonders an Weinkultur interessiert ist, dem bieten sich in und um Chişinău zahlreiche Möglichkeiten, z.B. bei einem verlängerten Wochenende mehr über die zahlreichen moldauischen Winzer und Weingüter der Region herauszufinden. Zahlreiche Touren werden diesbezüglich überall angeboten.

Wie bereits erwähnt, braucht die Organisation der Veranstaltung keinen Vergleich mit anderen Veranstaltungen dieser Dimension zu scheuen. Hier bekommt das Läuferherz durchaus alles, was es wünscht. Die Finisher-Medaille ist v.a. in der diesjährigen Jubiläumsausgabe sehr edel gehalten. Das inkludierte T-Shirt ist attraktiv, weitere Goodies sind ebenfalls im Starterpaket enthalten.

Die Öffentlichkeitsarbeit des Laufes ist einwandfrei über eine dreisprachige Website und Social Media Präsenz abgedeckt. Gratis Lauffotos von den verschiedenen Bewerben und von allen Marathon Finishern sind kostenlos über Facebook zugänglich gemacht.

Teilnehmer:innen und Siegerzeiten

Frauen:

  1. Yuliia Tarasova, UKR 02:58:11
  2. Anatalia Zbirne, MDA 03:04:39
  3. Anastasia Komleva, MDA 03:22:58

∑ 33 Finisher, 1 DNF ♀

Männer:

  1. Nicolae Gorbusco, MDA 02:32:56
  2. Cristian Comerzan, MDA 02:41:16
  3. Oleg Cazac, MDA 02:41:19

∑ 250 Finisher, 1 DNF, 10 DSQ ♂

∑ 23 Nationen

https://my.raceresult.com/306606/results#0_E5CEED

https://marathon.md/en/   

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 2024-06-15  Velebit Trail Marathon (CRO)

Hardcore Trailrunning im kroatischen Karstgebirge

(Laufbericht von Werner Kroer)

Vorüberlegungen

Mit stetigem Formaufbau seit März d.J. nimmt bei mir auch das Verlangen wieder zu, mal den einen oder anderen Extremlauf ins Laufprogramm einzubauen. Üblicherweise nehme ich da so ein bis zwei „ordentliche“ Bergmarathons ins Jahres-Portfolio mit auf, bei denen es dann um die zweitausend oder mehr Höhenmeter auf der klassischen Marathonstrecke „mitzunehmen“ gilt. Für Juni war ich da schon länger auf die Webseite des Velebit Trail Marathons im Velebit-Gebirge / Paklenica Nationalpark, Kroatien, gestossen, der auf der klassischen 42-km-Distanz mit angegebenen +/- 2.200 HM aufwarten lässt (wie sich später herausstellen wird, sind es de facto mehr). Der Bewerb schien mir gleich attraktiv und zeitlich passend und Voranmeldung ohne sofortige Bezahlung war möglich. Sobald mein Entschluß feststand, hatte ich die 30 € Startgebühr überwiesen und ein Privatapartment in Starigrad-Paklenica gebucht. Anreise musste – wie üblich nach Kroatien leider (fast) alternativlos – mit dem Auto stattfinden.

Anreise am Vortag und erster Eindruck

Die Anreise freitags gestaltet sich problemlos, hatte doch die volle Sommerurlaubs-Saison mit dem starken Nord-Süd Transitverkehr noch nicht eingesetzt (eVignette für Slowenien vorab online gekauft; für Kroatien die Telepass Mautbox für Italien von maut1.de genutzt, was seit 2024 möglich ist). Nach dem check-in im Privatquartier, ein paar Gehminuten entfernt vom kleinen Hafen in Starigrad (nicht zu verwechseln mit Stari Grad auf der Insel Hvar), wo auch am Folgetag der Start des Marathons sein wird, erkunde ich noch den Ort mit seiner kleinen aber feinen Strandpromenade, Badeplätze am Ufer mit Blick über die Meeresbucht auf die gegenüberliegende Halbinsel Pag. Für alle, die bereits am Vorabend die Startnummer in Empfang nehmen wollen, ist dies ab 20:00h im Hafen möglich. Ich genieße vorher noch das übliche Carbo-Loading vor Ort in einem der feinen Pizza-Restaurants mit Terrasse. Das Wetter ist angenehm, für den Folgetag sind 13 Stunden Sonnenschein vorausgesagt, aber mit nur max. 27° C, was für die Jahreszeit und Gegend offensichtlich ein sehr „kühler“ Tag ist, worauf mich auch ein Streckenposten am nächsten Morgen betont aufmerksam machen wird. Die Organisatoren des Bewerbs hatten auch in den Social Media darauf hingewiesen, daß es dieses Jahr nicht die übliche „Hölle“ sein wird (Anm.: Paklenica bedeutet so viel wie „kleine Hölle“) – zumindest was die Temperaturen betrifft. Dennoch hatten sich dann von den insgesamt 56 Vorangemeldeten für den Trail-Marathon doch noch vierzehn abschrecken lassen (DNS), sodass wir verbleibenden 42 Starter:innen letzlich am Freitag um 07:00 h morgens zur kurzen Lauf-Vorbesprechung an der Hauptstraße vor dem Hafen stehen (Ulica Dr. Franje Tuđmana / Stjepan Radić Square).

Samstag – Race Day

Der Race Direktor erläutert auf Kroatisch und kurz auch in Englisch, was wir im Wesentlichen bei der längsten der vier angebotenen Strecken zu erwarten haben. Gleich nach dem Start wird es nach nicht mal einem Kilometer zum NW-Eingang des Nationalparks gehen und von dort in einer riesigen Schleife über praktisch zwei Gebirgszüge wieder retour zum Fuß des Nationalparks auf der Südostseite, dem eigentlichen Haupteingang des Paklenica NP, wo wir dann zum Abschluss noch die letzten zwei bis drei Kilometer bis ins Ziel tatsächlich auf Asphalt laufen werden können. Das dürfte in diesem Moment jedoch noch niemanden interessieren. Alle starren wir fast ehrfürchtig auf den ersten Anstiegsberg vor uns.
Bloß eine Minute nach 07:00 h ist dann auch schon das Startsignal zu vernehmen und es geht eine kleine Strasse rauf durch den Ort, der nach einigen Häusern und Grundstücken am Hang auch schon wieder zu Ende ist. Von da an werden wir die nächsten acht Stunden kaum menschliche Behausungen mehr sehen, von den ganz wenigen Berghütten aus Stein im Gebirge mal abgesehen. Im Nu befinden wir uns auch schon auf dem Trail des Nationalparks, und es geht gnadenlos steil bergauf, direkt hinein ins – praktisch unlaufbare – Karstgebirge. Steinpfade führen uns von Meereshöhe auf ca. 300 m ü.d.M., vorbei am ersten Karstgipfel, dem Veliki Vitrenik (433m), weiter gerade ins Landesinnere Richtung Ramici (Siedlung mit ein paar wenigen Häusern), welche wir nach 6 km auf einem kleineren Hochplateau auf ca. 550 m erreichen und wo sich auch eine wichtige Abzweigung des Trails Richtung SO-Seite des Nationalparks mit seinen berühmten Kletter-Canyons befindet. Der Marathon hingegen führt hier noch weiter nach NW, wo wir nach einem knappen laufbaren Wegstück von ca. einem Kilometer weiter unaufhörlich Höhenmeter akkumulieren müssen. Die zu überwindenden Steinstufen sind mitunter so hoch, dass es ohne Stöcke zusätzlicher Anstrengung bedarf, um hier zügig vorwärtszukommen. Wer sich für die Mitnahme der Stöcke entschieden hat, ist nun definitiv im Vorteil, welcher sich auch später, bei den krassen Abstiegen durch den Wald in der zweiten Hälfte des Marathons ebenfalls bezahlt machen würde.
Erstmals zeigt sich nun auch in der Ferne die höchste Erhebung unserer Strecke, der Voganski Vrh, mit seinen 1.757m der vierthöchste Gipfel Kroatiens und höchste Erhebung im Velebit (höchstes Gebirge des Landes). Mächtig thront er da im bereits gleissenden Sonnenlicht und allen ist bewusst, dass es noch ein verdammt hartes Stück Arbeit sein wird, bis wir den Blick von oben in die Ferne schweifen lassen werden können. Einstweilen bieten sich allerdings auch schon sensationelle Aussichten rundum an. Als „Älpler“ ist man ja einiges gewohnt, aber Canyons, eingefasst von mächtigen Felswänden türmen sich da nacheinander auf, nur um immer wieder gleich durch jähe Abhänge und weitläufigen Dolinen (Karsttrichter) unterbrochen zu werden. Verschiedenste Strauchgewächse nehmen von jenen Stellen Besitz, die zwischen den kargen Karstgesteinsböden noch ausreichend Erdreich anbieten. Nicht umsonst wurde der bereits 1949 proklamierte Nationalpark Paklenica 1978 zum UNESCO Biosphären Reservat erklärt und weiters in 2017 als UNESCO World Heritage Site („Ancient and Primeval Beech Forests of the Carpatiens“) deklariert. Mehr als 1.000 Pflanzenspezies, 260 Vogelarten, 25 Reptilien- und  Amphibiengattungen beherbergt die Region, zusätzlich zu 85 Arten von Schmetterlingen, von welchen man einige auch beim Lauf tatsächlich immer wieder zu sehen bekommt. Weiter den Trail aufwärts erkennen wir nach rückwärts blickend, die wieder die grosse Halbinsel Pag und den Starigrad vorgelagerten Meeresarm, der hier ins Landesinnere schneidet. Am Vorabend konnte ich dort, in unmittelbarer Nähe der kleinen Marina von Starigrad, Delphine bei ihrem Abendausflug in die Bucht beobachten. Die Canyons zwischen dem über 1.700 m hohen Gebirge bieten dem trainierten Wanderer ein Trailnetz von 150 Kilometern und 14 Gipfeln zum Besteigen. Wer sich lieber in die Berge hinein begibt, kann dies in vielen der 150 Höhlen tun. Am bekanntesten in der Alpinszene sind aber wohl die 500 Kletterrouten des Nationalparks, wovon viele gut dokumentiert und zum Nachklettern vordefiniert sind.
Beim Marathon nähern wir uns endlich der 1.000 Höhenmetergrenze bei Kilometer 14, und nach weiteren, heftigen Anstiegen auf extrem zerklüfteten Felsgesteins-Pfaden überschreite ich 1.600 m ü.d.M (ca. Kilometer 17), vorbei am Babin Vrh (1.738 m), und erklimme endlich den höchsten Punkt der Strecke, Vojanski Vrh (1.757 m) bei km 19. Frischer Wind sorgt hier für Kühlung. Die Aussicht ist grandios. Richtung Norden fällt eine Felswand einige hundert Meter kerzengerade ab und bildet eine riesige Doline.

Über 4 Stunden bin ich bereits unterwegs, und noch nicht einmal ganz die Hälfte der Strecke ist bewältigt! Später zeigt sich dies auch klar in der Ergebnisliste – nur die ersten sechs Läufer hatten es unter 7 Stunden ins Ziel geschafft! Läuferisch jedoch macht der nachfolgende Streckenteil nun richtig Spaß. Erstmals kann man auch etwas zügiger auf dem wunderschönen Grat laufen, welchem unser äußerst gut markierter Trail nun folgt. Dennoch ist permanent Vorsicht geboten, nicht zu Fall zu kommen. Zu viele Möglichkeiten bieten sich an mit all dem Gestein und Wurzeln am Weg, manchmal nicht sichtbar, weil von Grasbüschen überwachsen. Oftmals stolpere ich während dieses Laufes, zum Glück komme ich aber ohne Sturz bis ans Ziel. Das kann nicht jeder von sich behaupten. Das geforderte Verbandszeug in der Pflichtausrüstung für den Lauf macht allemal Sinn, zumindest für eine etwaige Erstversorgung. Weiter entlang der Baumgrenze laufe ich bei KM 24 unterhalb des nächsten Gipfels, Bili Vrh (1.656 m) vorbei. Der Trail führt ab jetzt stark bergab und ich nähere mich rasch bei KM 28 dem nächsten Check-Point, der Berghütte Planinarsko Kloniste Vlaski Grad auf 1.280 m. Hinter der Hütte gibt es eine Quelle, wo ich meine Wasserflasche mit bestem, eiskalten Frischwasser auffüllen kann. Die Labe-/Wasserstellen sind wie bei vielen Ultra-Trails auch beim Velebit Marathon eher weit auseinander gesetzt und ich hatte deshalb ausreichend Flüssigkeit mitgenommen, auch wenn dies ein wenig Zusatzgewicht bedeutet.
Unser Trail führt nun nach der Hütte extrem steil bergab durch den Wald. Ich bewege mich auf äußerst schwierig zu laufendem Terrain, oftmals mehr Rinnsal als Weg, und für abwärts bewege ich mich eigentlich relativ langsam. Aber zu riskant wäre hier, mehr aufs Tempo zu drücken. Damit wird mir auch bewußt, daß dies mein (zeitlich) längster Marathon werden könnte. Am Schluß stellt sich heraus, dass ich nur für den legendären Sentiero della Grigne Skymarathon in Pasturo (Italien) in 2009 eine halbe Stunde länger benötigt hatte.
Die steile Abwärtspassage beim Velebit währt allerdings nicht allzu lange. Jäh leitet uns der Trail auf der gegenüberliegenden Seite einer massiven Waldschneise wieder steil hoch, und dies nun über durch den Regen der Vorwoche noch sehr rutschige Stellen. Wieder ein Teilstück bei dem ich von der Mitnahme der Stöcke profitieren hätte können. Die permanente Belastung der Beinmuskulatur ist nun schon recht spürbar, nichtsdestotrotz bereitet mir die Schönheit der zu durchlaufenden Natur weiterhin viel Freude und damit Energie. Weiter den Wald hinab gelange ich nach ca. 34 km zur nächsten Berghütte, Planinarsko Kloniste Vlaski Grad (ca. 500 m ü.d.M.). welche ganzjährig geöffnet ist und Übernachtungen ermöglicht. Ab jetzt mündet der Trail in den offiziellen Weitwanderweg des Nationalparks mit endlich mehr als nur einem halben Meter Breite. Ich folge konsequent dem Wanderweg abwärts, der bis zum Park-Eingang entlang des Flusses Velika Paklenica führen wird. Meine Tempobeschleunigung trotz breiteren Weges hält sich dennoch sehr in Grenzen. Viele (Stolper-)Steine mahnen weiterhin zur Konzentration auf die jeweils nächsten Schritte. Auf nunmehr unter 400 m Seehöhe erreichen wir die letzte Schutzhütte, Lugarnica Foresters House, welche auch als Versorgungspunkt herangezogen werden könnte. Ich laufe direkt weiter, aber nicht ohne noch einige Fotos von dem nun sich vor uns entfaltenden Canyon zu machen. Links und rechts des Weges tun sich immense Felsformationen auf. Unter Kletterern gilt dieser Canyon nicht zu Unrecht als Routen-Paradies. Viele Einstiegsstellen haben klingende Namen, wie Winnetou 1, 2, 3, usw. Man kann es sich jetzt gut vorstellen, wie ab 1962 einige der Szenen mancher Winnetou-Filme hier gedreht wurden (Der Schatz im Silbersee, Unter Geiern, Old Surehand, …) und wie etwa Winnetou auf der Felsspitze des einen Canyons seinem Freund Old Surehand auf der anderen Felsformation zuwinkte.
Meine Aufmerksamkeit gilt weiterhin dem steinigen Weg und den vermehrt vom Parkeingang heraufwandernden Touristen. Stundenlang ging es (fast) einsam über Bergpfade und Wald, aber nun nimmt gegen Ende des Trails auch der „Verkehr“ etwas zu. Ich erreiche den Parkplatz vor dem Park und kann das Gefühl des Asphalts unter meinen Sohlen momentan kaum begreifen – fast etwas irritiert laufe ich erstmals ganz ruhig die letzten ca. 3 Kilometer durch den oberen Ortsteil von Starigrad unter hoch stehender Sonne. Und dann kommt auch schon der ersehnte Richtungspfeil, der mich 90° links in die kleine Stichstrasse runter zum Hafen führt. Nach über 9 Stunden Trailrunning laufe ich überglücklich ins Ziel ein und nehme meine schwer verdiente Medaille mit Stolz entgegen. Trotz des hohen Schwierigkeitsgrades dieses Marathons, konnte ich meine Kräfte durchgängig gut einteilen und von Anfang bis zum Schluss die gesamte Strecke in vollen Zügen geniessen. Natürlich freute ich mich auch anschliessend riesig auf das herrliche „Sieger“-Bier als kleine Belohnung.

Ausklang vor Ort

Das Abendessen in einem der netten Strandlokale nach dem Lauf war naturgemäß ein Hochgenuß. Am nächsten Morgen zelebriere ich dann ein ausführliches Frühstück auf dem Balkon unseres Privatquartiers, zusammen mit meinem Sohn, der mich auf dem Kurzurlaub begleitet hatte. Eine kleine Wanderung entlang dem Strand und ein wenig Schwimmen zum Lockern der Muskulatur füllen den Sonntag gut aus. Deshalb mag ich auch Läufe sehr gerne, die bereits am Samstag stattfinden, weil man dann noch den ganzen nächsten Sonntag zum Regenerieren und Genießen hat.

Fazit

Der Velebit Trail Marathon ist ein äußerst schwieriger Bergmarathon. Die Bezeichnung als Traillauf suggeriert fast eine Leichtigkeit, die in kaum einem Abschnitt zu finden ist. Es soll hier klar festgehalten werden, daß dieser Monster-Marathon nur etwas für erfahrene Trail- und Bergläufer:innen ist, die idealerweise auch Ultralauf-Erfahrung mitbringen. Auf der positiven Seite winken als Belohnung „atemberaubende“ Aus- und Einblicke in die Vielfältigkeit und landschaftliche Schönheit des Nationalparks und Biosphärenreservats Paklenica / Velebit-Gebirge. Für wenig Geld wird eine klug durchdachte Streckenführung angeboten, bei der man sich trotz der Weitläufigkeit des Terrains durchgängig gut aufgehoben fühlt. Die Angaben für Distanz und Höhenmeter in der Ausschreibung sind jedoch etwas untertrieben. De facto muss man schon mit 44 KM und fast 2.500 Höhenmetern rechnen.
Die Finisher-Medaille ist einfach gehalten und könnte in Zukunft der läuferischen Anstrengung noch angemessener gestaltet werden. Die Öffentlichkeitsarbeit des Laufes ist schlicht gehalten, aber alle essentiellen Informationen sind auf der einfachen Website des Veranstalters outdoor.hr zu finden. Für den/die versierte:n Trailläufer:in, der/die sich wieder mal gerne einer ordentlichen Herausforderung stellen möchte, ist der Bewerb eine ganz klare Empfehlung. Wem die Marathondistanz mit so vielen Höhenmetern zu lange erscheint, werden alternativ noch drei kürzere Distanzen angeboten (24, 14, 7 km). Die Laufveranstaltung lässt sich sehr gut mit ein paar Tagen Urlaub am Meer verbinden. Starigrad und das nicht weit entfernte Zadar bieten dazu umfangreiche Möglichkeiten.

Teilnehmer:innen und Siegerzeiten

Frauen:

  1. Matea Grabovica, CRO 06:47:45
  2. Dijana Janžek, CRO 08:12:30
  3. Cristina Cirstinoiu, ROU 08:35:57

∑ 8 Finisher, 1 DNF ♀

Männer:

  1. Karlo Vučinić, CRO 05:46:38
  2. JiříKřenek, CZE 06:16:16
  3. Hrvoje Vlašić, CRO 06:16:56

∑ 31 Finisher, 2 DNF ♂

∑ 8 Nationen

https://www.stotinka.hr/hrv/dogadjaj/2208     -  Anmeldung, Ergebnislisten

https://www.outdoor.hr/velebit     -   Ausschreibung

 

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2024-03-03  RUNTALYA MARATONU

19. Antalya Marathon: Perfekte Veranstaltung in attraktiver Region

(Laufbericht von Werner Kroer)

Vorüberlegungen
Mein persönlicher Start in die jährliche Marathonsaison verlief dieses Mal  etwas holprig: die beiden letzten Monate des Vorjahres mußte ich regenerationsbedingt ohne Laufen verstreichen lassen und Anfang dieses Jahres konnte ich erst langsam wieder etwas Ausdauerform aufbauen. Mitte Februar fühlte ich mich dann soweit, mal das Wasser wieder bei einem offiziellen Lauf im Wiener Prater zu testen, und war mit den 2h:42 für 28 KM soweit zufrieden, daß ich mir gleich vornahm, nicht mehr lange auf den ersten Marathonstart in 2024 zu warten.

Eine Woche später etwa hätte sich bereits der Jana Bulova Marathon im grenznahen tschechischen Morawske Budejovice angeboten, den ich 2017 ‚entdeckt‘ hatte und der mir als kleine Laufveranstaltung ohne wenig Planungsaufwand meinerseits in angenehmer Erinnerung geblieben war. Kurze Anreise, einfache Nachmeldung, 7 Runden laufen, und das ohne wirkliches Zeitlimit.
Dennoch erschien es mir als etwas zu kurzfristig und so fokussierte ich mich mit der Planung auf das erste Wochenende im März.
Zur Auswahl standen v.a. Bologna, Pafos, Girona, Edinburgh, Antalya und nur theoretisch Tokyo. Die Registrierung via Lotterie für den japanischen 6-Marathon-Majors Kandidaten hatte ich jedoch bereits in 2022 vergeblich versucht, und für einen garantierten Startplatz via Gesamtpaket über die einschlägigen Reisebüros erschien mir das Preis-Leistungs-Verhältnis bisher immer nicht gerade verlockend. Bologna wäre da schon interessanter, aber in Italien bin ich schon oft gelaufen. Pafos ist eine angenehme Urlaubsdestination, aber auch in Zypern hatte ich schon in 2021 den Larnaka Marathon absolviert.

Damit deutete vieles auf Antalya (Türkyie) hin, wo am Sonntag, 3. März 24, der bereits 19. Runtalya Maratonu im Rahmen des Runtalya Lauffestivals ausgeschrieben war.

Anreise
Die Anreiseplanung war denkbar einfach: eine „Billig-Airline“ (deutsch-türkisches Joint-Venture) bietet recht günstige Direktflüge (mit ganz neuen Flugzeugen) zwischen Wien und Antalya an und die Hotelpreise zur Vorsaison sind sowieso fast ein Schnäppchen. Ich buche ein paar Tage im SU-Hotel im Südwest-Zipfel der Kernstadt, von wo aus ich dann am Vor- und Marathontag den ca. 800m entfernten Start-und Zielbereich des Marathons leicht zu Fuß erreichen werde können. Die Wettervorhersage wird ebenfalls täglich besser je näher das Laufwochenende naht – es ist also alles angerichtet für ein ausgedehntes Laufereignis.

Antalya ist zugleich Hauptstadt und Provinz am türkischen Mittelmeer, mit ca. 1,2 Mio. Einwohnern im engeren Stadtbereich und geschätzten 3 Mio. im gesamten Provinzgebiet. Auffällig an der geografischen Lage der Stadt ist ihr 7 km gegen Westen hinausreichender, beeindruckender Strand, der in etwa die Hälfte der gesamten Küstenlinie der Antalya Provinz ausmacht, wohingegen der nach Osten auslagernde Teil der Großbucht sich als 10 m hohe Steilküste darstellt, worüber auch die Altstadt Anthalyas, die Kaleiçi, thront.

Ich fliege am Freitag mittags von Wien weg und komme mit +2 Stunden Zeitverschiebung nach 02:40h Flugzeit bereits abends in Antalya an. Da ich das erste Mal in Antalya bin, habe ich mir vorsorglich einen Taxi-Shuttle vorbestellt, welcher sich um € 30 als regelrechte Luxuslimousine mit ausgebautem Salon-Interieur herausstellt. Die Fahrt vom Flughafen zum Hotel nahe dem Antalya Aquarium dauert bloß eine halbe Stunde bei geschäftigem Abendverkehr. Für die Rückreise werde ich dann ein einfaches Stadtaxi um 20 € nehmen.

Den Ankunftsabend nutze ich noch für einen ersten Sondierungsspaziergang, und genieße gleich mal die angenehmen Temperaturen. Selbst am Abend direkt am Meer kann man de facto nur im Kurzarm-Hemd spazieren gehen. Ich begreife langsam die Dimension dieser schönen Bucht mit ihrem ewig langen Konyaaltı Plajları (Strand), an dessen südwestlichen Ende sich im Hintergrund die beeindruckende Bergwelt des Lykischen Taurusgebirges bis auf 3.000 m aufbaut, deren Ausläufer dann bis an die Marina im äussersten Süden Antalyas heranreichen. Leicht mit dem Taxi oder zu Fuß kann man da auch die Talstation der Tünektepe Teleferik (Seilbahn) erreichen und auf den 605 m hohen Gipfel rauffahren, um eine grandiose Aussicht auf den gesamten Golf von Antalya zu geniessen.
Mein Abendspaziergang am Strand endet in einer Kaffe-Bar, von denen es zahlreiche gibt. Die meisten haben vermutlich gar keine Alkohol-Lizenz und es fällt auf, daß die meisten jungen Leute auch so ihren Spaß haben und den Abend geniessen können. Wer dennoch gerne ein Bier oder auf einen Cocktail gehen möchte, hat trotzdem ausreichend Gelegenheit dazu an der langen Strandpromenade. Als die größte touristische Region der Türkei lässt Antalya hier eben an nichts fehlen.

Am Samstag Morgen, dem Tag vor dem Marathon, gehe ich zu Fuß zur Startnummernausgabe in der Glaspyramide (Cam Piramit) beim Atatürk Kulturzentrum, dem Ausstellungs- und Tagungszentrum von Antalya. Vom Hotel ist dies einfach direkt durch den Antalya Atatürk Kültür Parkı in wenigen Minuten erreichbar. Für den Marathon stehen nur zwei Personen vor mir an der Ausgabe und ich bekomme ohne Wartezeit meine Startnummer. Wirklich anstellen muß ich mich nur für die Ausgabe des T-Shirts und eines Sportrucksacks, welche für die Teilnehmer:innen aller Laufdistanzen gleich ist und an anderer Stelle für alle ausgegeben wird. Nach einer Viertelstunde ist auch das erledigt und ich mache ein paar der obligaten Startnummernfotos vor dem Runtalya Lauffestival Billboard. Auch wurden die Namen sämtlicher Athlet:inn:en auf eine sehr lange Plakatwand affichiert und die Flaggen aller Teilnehmerstaaten ebenfalls daneben. Auch draußen ist der Zugang zum Tagungszentrum mit großen Flaggen aller Teilnehmerstaaten flankiert. Als einziger Österreicher von über 6.000 registrierten Läufer:inne:n in allen Distanzen nehme ich mir natürlich die Minute Zeit für ein patriotisches Selfie-Foto mit unserer Nationalfahne. Der Park rundum der Glasspyramide zeigt schon Bühnen-Aufbauten für die Siegerehrungen nach dem Rennen, sowie die üblichen Stände der Sportartikelaussteller und jener, die für Speis und Trank zuständig sein werden. Auffallend ist, daß der österreichisch-thailändische Getränkehersteller, der allen gerne Flügel verleiht, hier stark vertreten ist. Neben mehreren Marketingfahrzeugen mit den Dosenaufbauten finden sich auch große Geländewagen (Hummer), die am Renntag ordentlich Musik aus den Lautsprechern blasen werden. Auch sind die eigenen Stände und Plakate mit Werbung für den am 5. Mai in vielen Ländern gleichzeitig stattfindenden Wings-for-Life World Run nicht zu übersehen. Offensichtlich ist Antalya auch da der Hotspot in der Türkei für diesen weltweit größten Charity-Run. Ich bin allerdings wie alljährlich für den gleichen Bewerb bereits in Wien gemeldet.

Nach einer kompletten Runde durch den Start-/Zielbereich schlendere ich wieder retour zum Hotel, um das Startpaket im Hotelzimmer zu deponieren und danach auf eine ausgiebige Nachmittagsexkursion in die Altstadt von Antalya aufzubrechen.

Sightseeing am Samstag
Die Kaleiçi (was ursprünglich etwa „innerhalb der Festung“ bedeutet) ist umgeben von engeren Einkaufsstraßen, die die Altstadt vom umgebenden Großstadtbereich mit seinen breiten Boulevards abgrenzen. Historisch waren ja zuerst Hethiter aus dem Kaukasus in die Region Antalya vorgedrungen. Ab dem 9. Jhdt. v. Chr. folgten dann Griechen und Thraker, und schließlich sogar Perser. 135 v. Chr. wurde erstaunlicherweise testamentarisch vom regierenden Attalos II. die Stadt an die Römer weitergegeben. Später folgten noch Byzantiner, Mongolen und Osmanen, welche allesamt markante historische Spuren in der Stadt und Provinz Antalya hinterlassen hatten.
Mein Altstadt-Rundgang beginnt beim berühmten Hadrianstor, dem einzig ganz erhaltenen Einfallspunkt der historischen Stadtumgrenzung und gestaltet sich gemütlich, aber ausgedehnt. Ich schlendere durch viele der kleinen Gassen, wo sich eine Unzahl an unterschiedlichsten Restaurants und kleinen Geschäften finden lassen. Natürlich sind auch einige Moscheen direkt in der Altstadt zu finden, die größeren naturgemäß an deren Randbereichen. In der angrenzenden Atatürk Cd. kaufe ich noch einige der typischen Köstlichkeiten dieser Region, wie Macadamia-, Pekan und Cashewnüsse, sowie das berühmte Lokum in verschiedenen Geschmacksrichtungen – die besten mit reichlich gehackten Datteln, Pistazien, etc., die durch die markante gelartige Masse (praktisch nur Stärke und Zucker) gebunden und mit weiteren Aromen veredelt sind.

Wieder zurück im Hotel genieße ich noch das Abendessen mit dem großzügigen All-you-can-eat-Buffet (um 17 €). Das Hotel hat sogar eine eigene „Pasta-Station“ mit zwei Köchen im Restaurant aufgebaut, um den typischen Carbo-Loading Bedürfnissen von Marathon-Teilnehmer:inne:n nachzukommen.

Sonntag – der Lauftag
Sonntag ist Marathonbewerb. Mit der +2 Stunden Zeitverschiebung bin ich ohne Mühe zeitgerecht aus dem Bett und genieße noch ein kleines Frühstück. Zu viel feste Nahrung vor dem Lauf ist grundsätzlich aber ohnedies nicht meins, und so mache ich mich bald auf den Weg. Da dies alles in wenigen Minuten machbar ist, komme ich bereits früh zum Startbereich und kann beim gerade begonnenen Aufwärmprogramm noch mitmachen. Langsam kommen immer mehr Läufer:innen an. Die meisten Lokalen parken gegenüber dem Sakip Sabanci Bulvari, wo auf der einen Fahrtrichtung der Start für Marathon und Halbmarathon sein wird, beim ausreichenden Parkplatz des Antalya Stadiums. Eine Überführung führt von dort über den Boulevard direkt in den Startbereich. Der Start der einzelnen Distanzen erfolgt in Wellen, um 9 Uhr der Marathon, 15 Minuten später der Halbmarathon und später noch der 10K. Kürzere Distanzen werden zur Gänze innerhalb des Atatürk Kultur Parks gelaufen.

Die Stimmung vor dem Marathonstart ist hervorragend. So wie auch das Wetter. Die Sonne kommt raus und gewinnt rasch an Kraft. Alle freuen sich sichtlich auf den bevorstehenden Lauf von 42,2 Kilometern, fast ausschließlich entlang dem Meer. Riesige Lautsprecherboxen mit aufpeitschender Musik heben zusätzlich den Adrenalinspiegel bei den Athlet:inn:en. Die letzten Läufer:innen begeben sich in die markierte Startbox und das Startauto bringt sich davor in Stellung. Seitlich auf einer Tribüne neben dem Startbogen befindet sich die halbe Stadtregierung, so scheint es mir. Man merkt an vielen Kleinigkeiten, daß ganz Antalya hinter diesem Sportevent steht und eine erstklassige organisatorische Leistung für ihre 19. Durchführung anpeilt. Jetzt wird noch die türkische Nationalhymne lautstark über die Klangwürfel abgespielt und die meisten Einheimischen stimmen vokal mit ein. Ich kenne dieses Prozedere vor allem aus meinen Läufen in den USA.

Punkt 09:00h ertönt dann der Startschuss für die 295 Marathon-Läufer:innen. Die Strecke führt anfangs ca. einen km auf dem Sakip Sabanci Bulvari gegen Osten und macht dann gleich eine Südkurve auf die Konyaalti Caddesi, die bereits entlang dem gleichnamigen Strand Richtung Altstadt verläuft. Weiter geht’s gleich um den Altstadtring auf die Atatürk Caddesi Einkaufsstrasse, wo ich gestern durchs Hadriansstor spaziert bin und hier etwas Proviant eingekauft hatte. Die Atatürk Cd. Ist in der Mitte durch ein Straßenbahngleis und eine Palmenallee getrennt. Der rechte Fahrstreifen ist natürlich am Veranstaltungstag für den Verkehr komplett gesperrt, wie auch ausnahmslos der gesamte Rest der Strecke.
Trotz der viel geringeren Zahl an Teilnehmer:inne:n beim Marathon gegenüber der Halbdistanz, ist die Organisation eindeutig auf eine Großveranstaltung ausgelegt. An allen Kreuzungen stehen Streckenposten und Polizei zur Sicherung der Zufahrtssperren. Dies wird sich in den nächsten 5 ½ Stunden, dem Zeitlimit für den Marathon, auch nicht viel ändern. Wasserstops finden sich alle 2,5 km und es werden jeweils kleine Plastikwasserflaschen ausgehändigt. Man muß also definitiv nichts selbst mittragen. Ausser Wasser gibt es auch noch das Flügelverleih-Getränk an etlichen Labestellen. Orangen, Bananen und ab und zu ein Gel runden das Stärkungsangebot während des Laufs ab. Nach Umkreisung der Altstadt verläuft die Strecke weiter entlang der Küste gegen Osten. Wir passieren den Karaalioğlu und gleich danach den Falez Park, von wo man wieder einen umschweifenden Ausblick auf den Golf von Antalya hat. Wir befinden uns nun konstant 10 m über dem Meer und spulen unsere Laufkilometer mittlerweile auf der Lara Caddesi ab, welcher wir noch länger entlang laufen werden. Nach einer kleinen Bucht mit dem Pirates‘ Beach erreichen wir auch schon die 10-km Marke. Der Blick auf meine Uhr zeigt mir, daß ich mit 56 Minuten wahrscheinlich zu schnell unterwegs bin. Die Anfangseuphorie aufgrund der äußerst positiven Atmosphäre hat mich mühelos das erste Viertel absolvieren lassen. Gleich danach kommt auch schon der Wendepunkt für die Halbmarathon-Läufer:innen, von denen die schnellsten uns bereits seit ein paar Kilometern zu überholen begonnen haben (15 Minuten späterer Start). Jetzt lichtet sich das Läufer:innen:feld und bei Kilometer 14 führt die Strecke kurz weg von der Küstenlinie, um hinter dem Sera Club Hotel Komplex nun die Lara Caddesi zu verlassen und ganz vorne an der Strandpromenade des Lara Plaji entlang bis zum Angel Beach zu laufen. Dort biegen wir bei Kilometer 20 neunzig Grad landeinwärts, wo wir bald wieder auf den Lara Boulevard stoßen und wo auch schon die Marathonwende samt Labestelle eingerichtet ist. Mit 2h:04‘ laufe ich über die Halbzeitmatte und habe weiterhin Bedenken, daß ich das Tempo so nicht ganz halten werde können, habe ich doch in den letzten vier Monaten nur wenige längere Trainingsläufe über 20km absolviert. Dennoch ist der Spaß riesig, wieder voll in einem Bewerb unterwegs zu sein. Ich genieße es einfach, sich in die Langdistanzen quasi hineinzuwerfen und zu sehen, wie sich alles entwickelt über die nachfolgenden Stunden.

Die Strecke führt nun identisch zurück und rasch erreichen wir wieder die mondäne Wohngegend südlich des Flughafens im östlichsten Teil von Antalya. Viele der meist zehn- bis zwanzigstöckigen Wohnhäuser in dieser Gegend haben eine erstklassige Lage mit phantastischer Aussicht auf die Bucht und dahinterliegende Gebirge und unmittelbaren Zugang zum Meer. Ich kann mir nicht vorstellen, daß irgendjemand, der es sich leisten kann, hier in diesem Teil von Antalya seßhaft zu sein, in ein europäisches Land auswandern möchte. Jene Migrant:inne:n kommen mit Bestimmheit aus anderen Gegenden des Landes.
Ich komme weiterhin gut voran, merke aber nach mittlerweile über drei Stunden Laufen, daß ich doch Tempo rausnehmen muß. Bei Kilometer 37 erreichen wir schon wieder die Kernstadt, durchqueren diese und biegen nach weiteren zwei Kilometern wieder in die Konyaalti Caddesi ein, welche uns nach einer letzten S-Kurve auf den Schlußkilometer auf dem Sakip Sabanci Boulevard führt. Der Zielbogen ist in Sicht und ich laufe ohne Sprint in 04:37:35 über die Ziellinie. Sofort bekomme ich eine schöne und prägnante Medaille von 8 cm Durchmesser um den Hals. So gehört sich das! Glücklich begebe ich mich zur Ziel- Verpflegungsstelle, esse etliche Orangen und nehme Wasser zu mir, um Flüssigkeits- und Zuckerspiegel wieder zu stabilisieren.

Dann schlendere ich weiter zum Park des Atatürk Kulturzentrums, wo das Marathon-Village aufgebaut wurde. Es beginnen gerade die Preisverleihungen für den Halbmarathon, welche ich in Ruhe auf einer der vielen Bänke in der Sonne genießen kann. Die Ehrungen für den Marathon werden für eine Stunde später angekündigt. Die Online-Ergebnisse verraten mir aber, daß es mit dem 4. Rang in der AK-65 doch nicht ganz aufs Stockerl gereicht hat. Dennoch höchst zufrieden begebe ich mich weiter Richtung nahem Hotel, wo ich mich bereits auf das ausgiebige und köstliche Abendbuffet freue.

Später gehe ich wieder runter zum 100m entfernten Lavanta Beach und genieße nochmals die Abendstimmung in einer Strandbar am schönen Antalya Golf.

Fazit
Der Antalya-Marathon ist ein top organisierter Laufbewerb mit einer höchst attraktiven Streckenführung. Die Out-and-back Route führt quasi 38 km direkt am Meer entlang und der Rest durch die attraktive Kernstadt. Die Stimmung ist ansteckend fröhlich und positiv. Man merkt an allen Details, daß die Stadt vollständig hinter ihrem Lauffestival steht und eine Erhöhung der  Anzahl (v.a.) internationaler Teilnehmer:innen weiterhin angestrebt wird. Die kürzeren Distanzen sind ebenfalls attraktive Bewerbe und so eignet sich das Event auch gut für die Teilnahme von Familien oder Teams und Gruppen mit unterschiedlichen Laufkompetenzen.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist ebenfalls hervorragend. Die € 35,-- Startgebühr inkludiert nicht nur ein übliches Lauf-Shirt, sondern auch noch einen praktischen Rucksack. Aufgrund der günstigen Kosten habe ich auch noch das Foto-Paket für € 10,-- dazu bestellt und am Ende unglaubliche 38 Hochauflösungsfotos von meinem Lauf erhalten. Die Finisher-Medaille kann sich ebenfalls sehen lassen.

Teilnehmer und Siegerzeiten

Frauen:

  1. Maria Kolpakova, RUS 03:07:56
  2. Homeira Barzegar, IRI 03:17:12
  3. Olga Luferenko, RUS 03:32:11

∑ 38 Finisher

Männer:

  1. Akil Samir, MAR 02:20:10
  2. Yoosuf Ibrahim, MDV 02:29:43
  3. Dean Sauthoff , DEU 02:32:55

∑ 240 Finisher

∑ 27 Nationen

Zeitlimit: 05 h : 30 min.

 

  • 2024_Antalya_Marathon_WK1
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  • 2024_Antalya_27

 Für weitere Bilder von diesem Event siehe auch --> HD-Sports

https://tursetsports.com/en/races/runtalya

5.-14.8.2023: Zum unglaublichen neunten Mal hat unser "Serienmarathon-Läufer", Werner Kroer die 9. Auflage der mittlerweile in Europa legendären "10-Marathons-in-10-Days" am Lago d`Orta (Gozzano) in der Provinz Novarra in Italien erfolgreich absolviert. Trotzt noch einiger (abklingender) Hemnisse an der Ferse konnte Werner alle 10 Tage je einen Marathon mit fast 400 Höhenmetern entlang des piktoresken Orta-See Westufers ohne Probleme innerhalb der Zeitlimits absolvieren und erreichte mit einer Gesamtzeit von 61h:34`:39" den ausgezeichneten 15. Gesamtrang bei den Männern (von 29 Finishern) und insgesamt den 19. Gesamtrang von allen 37 Teilnehmern und Teilnehmerinnen, die letztlich die 422 km in 10 Tagen schafften.
Für Werner repräsentiert die neunte erfolgreiche Teilnahme in Orta auch insoferne einen historischen Meilenstein, da er nicht nur alle bisherigen Austragungen dieses Bewerbs in Orta als nur einer von drei ( zusammen mite einer Italienerin und einem Italiener) zu Buche stehen hat, sondern mit 1x 10/10 in Bad Blumau in 2017 auf insgesamt seinen 10. Serien-Marathon Bewerb von 10M-in-10T innerhalb von 10 Jahren als vermutlich erster im Lande verweisen kann.
Wie auch schon in den letzten Jahren, stösst Susanne Marquardt gegen Ende der Mehrtagesveranstaltung zum Laufevent am Ortasee hinzu und läuft an den beiden letzten Tagen jeweils den Halbmarathon (21,1 km / 200 HM) in exzellenter Zeit: am 13.8. in PB (pers. Bestmarke) von 02:14:15 und damit AK W50 4., und am 14.8. in 02:22:54AK W50 3. Platz.

Auf der Website des Club Super Marathon Italia finden sich zahlreiche weitere Artefakte zur Dokumentation (Videos, Interviews, tausende Fotos, Berichte und Kommentare) von diesem mittlerweile legendären Laufevent.

Am 5. September wurde auch ein Youtube-Interview mit unseren Läufer:in Werner und Susanne mit nachstehendem Begleittext auf der Website des Club Super Marathon Italia verlinkt. Für das Interview Es wurden auch italienische Untertitel automatisch ergänzt (allerdings nicht immer richtig und sinngemäss):

«Mit diesem Artikel setzen wir die Interviews mit den Protagonisten von Ortas 10in10 fort. DIE FILME SIND MIT ITALIENISCHEN UNTERTITELN, ein Teil dieser Interviews wird den in Produktion befindlichen Dokumentarfilm für die zehnte Ausgabe (2024) vervollständigen. Protagonist war unser österreichischer Partner Werner Kroer, der es trotz einer kürzlichen Fersenoperation zum neunten Mal schaffte, die Veranstaltung zu absolvieren. Geboren in Neunkirchen (AT) und lebt südlich von Wien mit seiner großartigen Frau Susanne, die zu Beginn des Interviews begeistert vom Orta-Standort zu sehen ist.
Werner erzählt, wie er von der ersten Ausgabe 2014 erfahren hat, als er zufällig auf einen vom Präsidenten am See gedrehten Film stieß, der die Route beschreibt. In dieser zehn Jahre jüngeren Erstauflage führte er mit der Nummer 34 die Gesamtwertung an. Anschließend wurde er von einem unbeugsamen Daniele Alimonti verdrängt, der mit seiner Frau Angela die Erstauflage gewann. Seitdem gehörte Werner immer die Startnummer 2 und er hat sie über die Jahre hinweg gut verteidigt.
Es zeichnet all die verschiedenen Verbesserungen im Gedächtnis nach, die diese Veranstaltung im Laufe der Jahre einzigartig und zum Bezugspunkt auf der ganzen Welt gemacht haben.
So erinnert er sich an seine neue Erfahrung: Mit der neunten erfolgreichen Teilnahme seit 2014 in Orta im vergangenen August 2023 und mit der Absolvierung des 10/10 in Bad Blumau in 2017 wurden zum 10ten Mal 10/10-Marathons vermutlich als Erster in ÖSTERREICH mit diesem „Rekord“ absolviert.
Natürlich ist es laut Werner nur eine weitere Statistik, die nur wenige interessiert, und mit Gesamtzeiten zwischen 45 Stunden (2014) und 61 Stunden (2023 noch mit etwas Fersenhandicap) ist das nichts Überragendes.
Aber was es darstellen kann, ist das 10-in-10-Format selbst, das seiner Meinung nach noch viel Potenzial hat. Vor Orta 2014 war das „Pack of Ten“ praktisch nur im Vereinigten Königreich bekannt – siehe 2017 Orta vs. Barrow – Marathonserien gehen in Serie!. Jetzt sehen wir weitere 10/10 Veranstaltungen in Italien, Großbritannien, Deutschland, Indien, Schweiz usw.
Für Vergleiche bietet sich die klassische Marathondistanz als Basisdistanz ja sehr gut an; seit einiger Zeit gibt es in Orta aber auch eine erste 10 x 50k-Alternative. Auch mit 20/20 experimentiert man fleißig.
Vielleicht gibt es sogar noch einmal ein neues Mega-Marathon-Ranking, das - wie die bekannte Liste mit >300 einzelnen Marathons/Ultras - dann die Anzahl der 10/10er und die Zeitspanne, in der sie gelaufen wurden, zusammenfasst.»

zum_Interview - Orta 10in10 SUSANNA E VERNER KROER Day 9 13-8-2023

Ergebnislisten - Orta 10in10 2023

Alle Videos - Orta 10in10 2023
Weitere Interviews - Orta 10-in-10 2023

  • 2023_Orta
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