2025-02-02 Portofino Marathon (ITA)

Beachtliches Debut an der Riviera di Levante

(Laufbericht von Werner Kroer)   -->   Bericht findet sich auch HIER 

Eine meiner liebgewonnenen Landstriche im schönen Italien ist die Riviera di Levante im östlichen Teil Liguriens. Insbesondere der Küstenstreifen zwischen Recco und Sestri Levante, noch oberhalb der etwas südlicher gelegenen und überaus bekannten Cinque Terre, zeichnet sich durch wunderschöne Natur sowie natürliche Buchten und saubere Strände aus. Das Herz dieses Gebiets bilden die Halbinsel Portofino mit dem gleichnamigen kleinen und äußerst ansehnlichen Naturhafen, sowie der weitläufige Golfo del Tigullio mit seiner prunkvollen Hafenstadt Santa Margherita Ligure, welche landläufig als die Perle Tigulliens bezeichnet wird. Die weiter angrenzende Stadt Rapallo schließt die Bucht nach Südwesten hin ab. Den ganzen Sommer über sieht man in Portofino, welches nicht einmal 400 ständige Einwohner:innen auf zwei Quadratkilometer zählt, eine beträchtliche  Zahl an exklusiven Jachten vor Anker, während gleichzeitig zahlreiche weitere Tourist:inn:en mittels Fährbooten dem pittoresken Platz auf der Halbinsel einen Besuch abstatten. Seine weltweite Bekanntheit hat Portofino einerseits durch das berühmt gewordene Lied aus den 1950er-Jahren „I found my love in Portofino“ erlangt, als auch durch mehrere Kinofilme und letztlich Kurzfilmserien, welche Portofino als Kulisse in Szene setzen. Will man nach Portofino mit Auto oder Bus gelangen, muss man zuerst von Rapallo (Autobahnabfahrt aus Genua oder La Spezia kommend) nach Santa Margherita fahren. Die Strada Provinciale 227 führt quasi als Einbahn in die kleine Hafenstadt am Südzipfel des Parco Naturale Regionale di Portofino.

Seit Jahren fahren wir zu zweit immer im August – nach den mittlerweile zum Fixpunkt im Laufjahr gewordenen 10 Marathons in 10 Tagen am Lago d’Orta (Novara) – nach Santa Margherita, um hier nach der außerordentlichen Anstrengung am Ortasee einige Zeit zu entspannen und regenerieren. Das Meer und der regionale Naturpark der Portofino Halbinsel mit seinen zahlreichen Trails und Wanderrouten bieten dazu das perfekte Umfeld. In nur wenigen Minuten kann man hier auch den Touristenströmen entgehen und in den mitunter steilen Hügeln des Ligurischen Apennins tief in die mediterrane Vegetation aus Kastanien- und Pinienwäldern als auch Olivenhainen eintauchen. Von Rapallo führt sogar die einzige Seilbahn Liguriens auf den über 600 m hohen Montallegro, der eine atemberaubende Aussicht auf den Golf bietet.

Verständlich daher, dass ich mir keinen besseren Austragungsort als Santa Margherita / Portofino für meinen 111. Marathon in Italien vorstellen hätte können.

Vor dem Marathon

Während ich im Sommer die Anreise aus der Provinz Novara jeweils mit dem Auto vornehme, macht für ein Marathon-Kurzwochenende eine Flugreise mehr Sinn. Am Samstag früh geht`s also von Wien nach Mailand-Malpensa mit dem Flieger, wo gleich problemlos ein Anschluss mit dem Airport-Express Zug zum Hauptbahnhof Milano Centrale möglich ist. Nach kurzer Transferpause nehme ich sodann den Intercity von Mailand nach La Spezia, der bereits nach zwei Stunden und zehn Minuten in Santa Margherita Ligure - Portofino hält.

Bestens vertraut mit den Lokalitäten marschiere ich mit nur einem leichten Rucksack gleich direkt vom Bahnhof zum nur 900 Meter entfernten Palazzetto dello Sport, wo die Startnummernausgabe stattfinden soll. Am Samstagnachmittag ist hier noch auffallend wenig los, vermutlich deshalb, weil die allermeisten italienischen Teilnehmer:innen wohl erst direkt am Sonntag früh anreisen werden. Die Veranstalter macht eine Abholung der Startunterlagen bis knapp vor den jeweiligen Bewerben (Marathon, Staffelmarathon, Family Run) möglich. Hat man einmal das etwas komplizierte Online-Anmeldeprozedere für Italien hinter sich gebracht (die italienische Runcard und ein ärztliches Attest sind erforderlich bei Läufen in Italien), erhält man ein paar Tage vor dem Lauf eine verifizierte Anmeldebestätigung per Email. Durch Vorweisen des darin enthaltenen QR-Codes ist dann die Aushändigung der Startunterlagen nur mehr eine Angelegenheit von einer Minute. Zusätzlich zur Nummer mit Chiptiming gibt es noch ein Startersackerl mit T-Shirt und ein paar Goodies. Da in dem Sinn keine Marathonmesse mit Produktpräsentationen oder dergleichen in der Sporthalle stattfindet, gehe ich ein Stück zurück Richtung Zentrum/Hafen, und dann weiter zum gebuchten Hotel, welches sich an einer leichten Anhöhe befindet. Dort sind zu dieser Jahreszeit nur wenige Gäste anzutreffen und ich bekomme beim Check-in gleich mal ein Upgrade auf ein Zimmer mit Balkon und Meeresblick. Kurz überlege ich, ob ich mal eben gleich ins Meer baden gehen sollte – die Wassertemperatur wird mit 14° C angegeben, was für den gewohnten Winterschwimmer keine allzu große Herausforderung darstellt – hebe mir das aber für den Tag nach den Marathon auf. Das Wetter wird für Sonntag und Montag besonders sonnig und warm vorausgesagt.

Sonntag – Race Day

Der Marathonstart in Santa Margherita ist bereits für 08:30 h anberaumt. Vom Hotel sind es nur ein paar Minuten zu Fuss zur zentral gelegenen Fähren-Anlegestelle und Hauptstrasse vor dem öffentlichen Strand. Der Startbogen ist bereits direkt vor dem Kreisverkehr an der Piazza Vittorio Veneto errichtet und zahlreiche Läufer:innen haben bereits davor Aufstellung genommen während einzelne noch letzte Aufwärmübungen im angrenzenden kleinen Park mit der Christoph Columbus Statue vornehmen. Eine sehr grosse Staffelgruppe mit mindestens 20 - 30 Rollstuhlfahrer:inne:n in Begleitung von jeweils 3 Läufer:inne:n nimmt ebenfalls Aufstellung an der Startlinie. Sie werden als erste eine Minute vorher losstarten und dann in der nächsten Kurve einen Spalier bilden für alle nachkommenden Athlet:inn:en. Am Ende wird sich zeigen, dass das Gros der begleitenden Rollstuhlfahrer bereits kurz nach 5 Stunden im Ziel gewesen sein wird. Was für eine beachtenswerte Leistung der Rollstuhl schiebenden Begleitläufer:innen und ihrer Insassen!

Pünktlich geht es sodann für das „Hauptfeld“ los. Nicht ganz 300 Marathonis und 69 Staffeln mit je vier Läufer:inne:n, also über 560 Laufbegeisterte machen sich auf den Weg. Was für ein fulminanter Start für ein Marathondebut! Diese Anzahl schafft in Österreich gerade mal eine Handvoll etablierter Landeshauptstadtmarathons.
Die Strecke ist als Pendelstrecke konzipiert, wobei in vier, zehn Kilometer langen Runden, zuerst gleich mal auf der Uferstrasse SP227 über Paraggi (winzige Siedlung auf halbem Wege in einer Bucht) nach Portofino gelaufen wird. Dieser Streckenabschnitt zeichnet sich durch seine imposante Naturschönheit aus. Kleine Buchten mit malerisch vorgelagerten, einzelnen Felsen im Meer lassen erahnen, was ich von meinen Sommeraufenthalten hier schon gut kenne: zahlreiche Boote und Jachten, die vor der Küste ankern und beherzte Individualtouristen, die sich an den schmalen Strandstreifen entlang der Halbinsel ein Plätzchen zum Verweilen einrichten, prägen das Bild des ab hier nur dünn besiedelten Gebiets. Jetzt im Winter wirkt das Ganze noch viel frühzeitlicher und die Natur an den steilen Hängen rechts der Uferstrasse kommt merklich stärker zur Wirkung. Persönlich bevorzugen wir jedoch im Sommer meist die verschiedenen Trails und Wanderwege von Santa Margherita nach Portofino bzw. noch weiter bis Punta Chiappa oder gar Camogli, steil oberhalb der Halbinselküste des Naturparks. Da offenbaren sich immer wieder atemberaubende Blicke aufs Meer und die Hügel dieses Landstrichs. Seit vielen Jahren sind die Klippen und Küsten auch als Meeresschutzgebiet Portofino in drei schützenswerte Zonen eingeteilt, wobei die gesamte Südküste der Halbinsel als zweithöchste Schutzkategorie klassifiziert ist (keine Badestrände/-plätze).
Mit solchen Eindrücken kann man die ersten Kilometer des Laufs nur geniessen und schon erreichen wir nach nur fünf Kilometern die Zufahrt zum hinteren Ortsteil von Portofino. Über den kleinen Parkplatz am Strassenende biegen wir scharf links runter in die schmale Fussgängerzone direkt zum Vorplatz des Jachthafens, wo im Sommer die Cafés ihre Tische und Stühle über fast das gesamte Kopfsteinpflaster verteilt aufstellen. Jetzt ist hier die Wende der ersten Schleife durch eine eingerichtete Labestelle markiert.
Die Temperatur war bislang recht angenehme 12°C und daher nehme ich erst mal nur einen Becher isotonisches Getränk mit Wasser. Durch eine winzige Seitengasse laufen wir wieder retour über den Parkplatz auf die SP227 und die gleiche Strecke zurück nach Santa Margherita. Jetzt erlaubt der Blick gegen Nordosten Ausblicke nicht nur auf den gesamten Golf von Tigullio sondern noch weiter entlang der Festlandküste auf die gegenüberliegenden Badeorte Chiavari, Lavagna und bis Sestri Levante. Nach 10 Kilometer und 58 Minuten bin ich wieder bei Start/Ziel in Santa Margherita und die Strecke führt uns nun die SP227 in anderer Richtung weiter nach Rapallo. Hier ist der Straßenverlauf etwas kupiert, aber was leicht aufwärts führt geht auch schnell wieder abwärts. Am Ende werden es an die 380 Höhenmeter sein, die man auf den gesamten 42 Kilometern akkumuliert hat. Bald erreichen wir den nächsten größeren Strand von San Michele die Pagana und nach einem kleinen Hügel und Kurve auch schon Rapallo mit seinen 29.000 Einwohnern und damit größten Badeort an der Riviera di Levante. Hier gilt es zuerst ein paar Schleifen durch die neu erweiterte Marina zu drehen, vorbei am neu errichteten Hafencafé, woher es bereits unwiderstehlich gut nach Kaffee duftet. Danach biegen wir wieder raus auf die Hauptstraße und laufen vorbei an den Hotels und Geschäften zur nächsten Wende vor dem Castello di Rapallo. Bislang wurde dem interessierten Betrachter der Gegend auf jedem gelaufenen Meter ansehnliche und interessante Motive geboten. Jetzt steuern wir wieder retour Richtung unseres „Drehscheiben-Start-/Zielbereichs“ in Santa Margherita. Die Temperatur steigt und die Sonne steht bei Halbzeit bereits schön am Himmel. Es ist ein klarer, sonniger, fast frühlingshaft anmutender Sonntag geworden und ich denke für den Moment, dass Laufen wie hier nicht schöner sein könnte. Nach Rückkehr aus Rapallo lässt uns der Veranstalter vorbei an der Kirche Nostra Signora della Rosa ein paar Gassen durch die Fußgängerzone von Santa Margherita laufen. Dies vervollständigt einerseits die vier 10-KM-Runden auf die Marathondistanz und komplettiert andererseits das umfassende Sightseeing-Potenzial dieses Bewerbs. Die zweite Hälfte des Marathons gestaltet sich durch die neuerliche zweimalige Strecke bis Portofino und retour als durchaus kurzweilig. Die schnellsten Läufer:innen kommen einem bereits auf ihren Weg in die letzte Runde entgegen. Später, als ich mich nach 32 KM und 03h:20‘ auf meine letzten zehn Kilometer begebe, sehe ich selbst nach der letzten Wende in Portofino die Langsameren auf der mir gegenüberliegenden Straßenseite entgegenkommen. So kann ich auch einige gute Lauffreunde vom Club Super Marathon Italia grüßen, welche ich vor allem von der Zehntagesveranstaltung in Orta oder anderen Läufen in Italien persönlich kenne.
Leider kämpfe ich nun auf den letzten fünf Kilometern mit einem hartnäckigen Wadenkrampf im linken Bein, welchen ich mir vor einiger Zeit erstmals „zugelegt“ hatte und der sich nun immer wieder mal meldet. Da scheint es mir nun doch notwendig, dieses Belastungssymptom nächstes genauer untersuchen zu lassen.
Im Moment konzentriere ich mich allerdings auf die finalen Kilometer durch Santa Margherita. Schon winkt uns ein Streckenposten für die letzten paar Hundert Meter runter von der Straße auf die gepflasterte Strandpromenade, welche in einem kleinen S-Bogen auf die Zielgerade genau vor dem öffentlichen Strand von Santa Margherita einschwenkt. Unverzüglich erhalte ich eine kleine aber feine Medaille und genieße die aufkommende Entspannung in der warmen Sonne mit dem blauen Meer vor meinen Füssen.

Fazit

Mit dem Portofino-Marathon in Santa Margherita Ligure ist dem Veranstalter ein prächtiges und sehr erfolgreiches Veranstaltungsdebut gelungen. 569 Teilnehmer:innen (293 Marathon und 276 Staffel) zeugen nicht nur von der Lauffreude der Italiener sondern auch für die Attraktivität dieses Bewerbs in der mondänen Tourismusregion der Riviera di Levante.
Das Startgeld beläuft sich je nach Anmeldezeitpunkt auf € 50 bis € 99 und beinhaltet neben einer netten Medaille auch ein T-Shirt im abgestimmten Design. Die ohnehin prächtige Strecke, ausnahmslos entlang der Küste und Badestrände, garantiert auch durch die geschickte Anordnung von vier Schleifen, dass keinerlei Langeweile aufkommen kann. Außerdem sind sämtliche Streckenteile während des Laufes zur Gänze für den Verkehr gesperrt.
Für die Anreise bietet sich eine kombinierte Flug-/ Bahnreise an, da nach Mailand von Wien aus zumindest zwei Direktflüge täglich verfügbar sind. Bereits in diesem Jahr waren bereits Läufer:innen aus 23 Nationen am Start. Mit solch einer eindrucksvollen Veranstaltungspremiere ist in Zukunft mit noch mehr Zuspruch für den Portofino-Marathon rechnen.

 

Teilnehmer:innen und Siegerzeiten beim 1. Portofino Marathon 2025

Frauen:
1. BERGAGLIO ILARIA, 02:58:31
2. LUCACI ANDREEA, 03:10:28
3. SILVANI ELEHANNA  03:14:56

∑ 65 Finisher ♀  (+3 DNF)

Männer:
1. GUEYDON JULIEN, 02:30:18
2. GHIGLIETTI CRISTIAN, 02:41:17
3. RITY MOHAMED, 02:47:34

∑ 213 Finisher ♂ (+12 DNF)

∑ insgesamt 278 Finisher (+ 15 DNF)

∑ 23 Nationen

Zeitlimit: 6:00 Stunden

Marathonausschreibung:

https://www.portofinomarathon.it/

Resultate:
https://www.icron.it/newgo/#/classifica/20243689

Kontakt/Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

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